bedeckt München 21°

Wildtiere:Jungwölfe haben Rudel verlassen

Rüde nahe Hamburg überfahren, die beiden anderen Tiere leben

Die jungen Wölfe im Nationalpark Bayerischer Wald haben bereits ihre Elterntiere verlassen und sind zum Teil sehr weit gewandert. Das hat jetzt der Wolfsexperte Ulrich Wotschikowksy erklärt. "Ein junger Rüde ist sogar bis vor die Tore Hamburgs gezogen", sagte Wotschikowksy. "Dort ist er dann beim Überqueren einer Autobahn von einem Fahrzeug erfasst worden. Er war offenbar sofort tot." Bei einer Untersuchung des Kadavers wurde festgestellt, dass das Tier ein Jungwolf aus dem Bayerwald-Rudel war. Der zweite Bayerwald-Jungwolf ist auf einem Truppenübungsplatz in Thüringen unterwegs. Dort hat er ein Mufflon gerissen und offenbar mehrere Tage an dem Kadaver gefressen. An den Überresten des Mufflons hat er Genspuren hinterlassen, anhand derer thüringische Wolfsexperten seine Identität nachweisen konnten. Der dritte Jungwolf, eine Fähe, ist hingegen im Bayerischen Wald geblieben. Von ihr gibt es freilich nur eine Sichtung und zwar nahe dem Grenzort Bayerisch-Eisenstein. Dass die gut einjährigen Jungtiere das Rudel schon verlassen haben, ist eher ungewöhnlich. Für gewöhnlich gehen Wölfe erst im Alter von zwei Jahren auf Wanderschaft. Dass sie dabei in kurzer Zeit so große Distanzen, wie die knapp 600 Kilometer Luftlinie zwischen dem Bayerischen Wald und Hamburg, zurücklegen, ist dagegen normal. Ein Wolf kann pro Nacht locker 80 Kilometer weit laufen. Bislang ist nicht bekannt, ob die Elterntiere im Bayerischen Wald neue Junge bekommen haben.

Dagegen hat das Wolfspaar, das in Oberfranken im Veldensteiner Forst lebt, zum ersten Mal Nachwuchs bekommen. Die beiden Welpen tappten bereits Anfang August in eine Fotofalle. Der Veldensteiner Forst ist ein gut 6000 Hektar großes, recht abgelegenes und einsames Waldgebiet südlich von Bayreuth. Die beiden Elterntiere stammen aus ostdeutschen Rudeln. Die Fähe ist bereits vor eineinhalb Jahren nach Oberfranken gezogen. Der Rüde folgte diesen Winter.

© SZ vom 11.08.2018 / cws

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite