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Wikileaks:Dementi der Beschuldigten

Die Anschuldigungen, die Seehofer im Vorstand gegen ihn erhoben hat, will er nicht auf sich sitzen lassen. In einer persönlichen Erklärung stellt Neumeyer fest: An dem von Wikileaks genannten Termin, dem 8. Dezember 2009, hatte Neumeyer laut Kalender "keinerlei Kontakt mit amerikanischen Stellen". Am Vortag sei er laut Terminkalender "als Delegationsleiter einer rund 20-köpfigen Delegation" zu einem Gespräch für die Planung von gemeinsamen Terminen mit der Staatsregierung im amerikanischen Generalkonsulat gewesen. "Andere Themen wurde bei diesem Gespräch nicht angesprochen", heißt es in dem Schreiben weiter.

Fast "geschockt" habe Seehofer bei der Vorstandssitzung gewirkt, beschreibt ein Teilnehmer. Und je länger die Sitzung gedauert hat, je mehr soll sich der Parteichef in Rage geredet haben - vor allem über Neumeyer. Er habe richtig "abgelästert", erzählt einer, der dabei war. Während er und seine Vorgänger sich mit den kleinen Dingen in Bayern beschäftigt hätten, hätten sich die Beamten um Weltpolitik gekümmert. Damit meinte er auch Michael Höhenberger. Ebenfalls ein alter Stoiber-Vertrauter.

Bekannt wurde dieser im Jahr 2006, als die einstige CSU-Rebellin Gabriele Pauli ihm vorgeworfen hatte, er habe im Auftrag von Edmund Stoiber ihr Privatleben ausspioniert. Für Stoiber war das der Anfang vom Ende seiner 14-jährigen Amtszeit als Ministerpräsident. Für Höhenberger folgte eine interne Versetzung und ein Disziplinarverfahren, an dessen Ende er jedoch voll rehabilitiert wurde. Seinem Einfluss auf den einstigen Ministerpräsidenten und CSU-Chef hat die Affäre um Pauli nicht geschadet. Ebenso wenig wie die Umfrage-Affäre, mit der Höhenberger vier Jahre später im Sommer 2010 erneut für Schlagzeilen sorgte.

Er soll für 2008 eine Resonanzstudie in Auftrag gegeben haben. Darin war unter anderem zu lesen, wie die CSU mit der FDP umgehen soll, ihrem heutigen Koalitionspartner. Die Folge war eine ausgewachsene Koalitionskrise im Freistaat. Auch Höhenberger weist die Maulwurf-Vorwürfe zurück. Eine Sprecherin des Umweltministeriums, in dem Höhenberger als Amtschef tätig ist, bezeichnet diese als "völlig absurd".

Seehofer selbst hat in der Vorstandssitzung angekündigt, dass beide zu den Vorwürfen befragt werden sollen.