Tourismus am Tegernsee:Zum Tatar auf die "Saurüsselalm"

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Tourismus am Tegernsee: Die Söllbachaualm oberhalb von Bad Wiessee wurde zur "Saurüsselalm" umgebaut.

Die Söllbachaualm oberhalb von Bad Wiessee wurde zur "Saurüsselalm" umgebaut.

(Foto: Verein zum Schutz der Bergwelt (oh))

Ein krachledernes Marketing zur Eröffnung hat die Kritiker eh schon aufgeregt - jetzt sehen sie sich umso mehr in ihrem Verdacht bestätigt, dass schon wieder eine Eventlocation in Spazier- und Shuttlebusdistanz zum Tegernsee entsteht.

Glosse von Matthias Köpf, Bad Wiessee

Die Almwirtschaft ist eine bäuerliche Produktionsweise im Gebirge, und genau dafür stand die Söllbachaualm auch die längste Zeit auf einer sehr einsamen Wiese im Hinterland von Bad Wiessee. Neuerdings aber dient die Hütte nicht mehr der Almwirtschaft, sondern sie ist eine. Eröffnet wurde vergangene Woche, und weil in der Gastro das Wording wichtig ist, war das Ganze erstens als "Opening" angekündigt und zweitens heißt die Alm - auf Englisch übrigens "mountain pasture" oder "alp" - jetzt nicht mehr Söllbachau- sondern Saurüsselalm.

Dieses krachlederne Marketing hat die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal und den Verein zum Schutz der Bergwelt eh schon aufgeregt, und mit dem Opening sehen sie sich jetzt umso mehr in ihrem Verdacht bestätigt, dass da schon wieder keine karge Käsebrotausgabe für Bergsteiger eingerichtet wurde, sondern eine Eventlocation in Spazier- und Shuttlebusdistanz zum Tegernsee.

Events in Form von "Hüttenabenden" soll es dort aber nur einmal die Woche geben, dazu höchstens 15 Extraereignisse pro Jahr für geschlossene Gesellschaften. Die Gemeinde Bad Wiessee hat sich das, eine tägliche Öffnung sowie ein Angebot mit almtypischen Speisen vertraglich zusichern lassen für ihre Zustimmung zum Umbau, der dann auch vom Landratsamt Miesbach genehmigt wurde. Beide haben dafür baurechtlich voraussetzen müssen, dass die gastronomische Nutzung der Hütte zur Versorgung zahlreicher Wanderer und Mountainbiker "objektiv erforderlich" sei.

Doch genau das, so hat Bayerns Bauministerium nun auf einen gemeinsamen Beschwerdebrief der Tal- und der Bergweltschützer geantwortet, sei "noch nicht hinreichend deutlich geworden". Vor dem Opening hätte es auch kaum deutlich werden können, denn zu der Alm führen zwar inzwischen drei breite Zufahrten von teils fraglichem Genehmigungsstatus. Zuletzt war aber noch nicht einmal ein Wanderweg dorthin ausgewiesen.

Aber vielleicht ist das ja so eine Art Problem wie mit der Wachtelhenne und dem Wachtelei, das dort zum almtypischen Tatar vom Rind gereicht wird: Was wird irgendwann zuerst dagewesen sein, die gastronomische Ereignisalm oder ihre vielen Gäste? Denn selbst wenn all die eventuellen Gäste, die für die Baugenehmigung nötig sind, nicht schon vorher da waren: Jetzt können sie ja kommen.

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