Süddeutsche Zeitung

Wiederaufnahme in Regensburg:Gutachter verteidigt Einschätzung von Mollath

Im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath hat erstmals ein psychiatrischer Gutachter ausgesagt. Er hatte im ersten Verfahren eine gravierende Störung attestiert, ohne mit dem Angeklagten gesprochen zu haben.

  • Der psychiatrische Gutachter, der Gustl Mollath 2004 eine gravierende Störung attestiert hatte, verteidigt im Wiederaufnahmeverfahren seine Einschätzung.
  • Das Landgericht Regensburg beschäftigt sich beim Mollath-Prozess erneut mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung. Ein Autohändler berichtet von Rache-Äußerungen.
  • Ein Gerichtsvollzieher, der Pfändungen bei Mollath durchgeführt hatte, schilderte den 57-Jährigen dagegen nicht als aggressiv.

Psychiatrischer Gutachter verteidigt Einschätzung

Im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath hat ein psychiatrischer Gutachter seine Einschätzung des Nürnbergers verteidigt. Er habe in der ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht Nürnberg 2004 bei Mollath eine gravierende psychische Störung im Rahmen einer Psychose attestiert, sagte der 56-Jährige am Mittwochnachmitag vor dem Landgericht Regensburg - ohne mit dem Angeklagten selbst gesprochen zu haben.

Die Prognose sei ungünstig gewesen wegen dieses uneinsichtigen Verhaltens, erklärte der Gutachter. Zudem habe eine Gefahr für die Allgemeinheit nicht ausgeschlossen werden können. Zweimal habe er den Angeklagten zu einer Untersuchung in seine Praxis eingeladen, erschienen sei Mollath jedoch nicht. "Ich habe eine polizeiliche Vorführung des Angeklagten zur Begutachtung angeregt", sagte der Zeuge. Da dies nicht geschehen sei, habe er seine mündliche Einschätzung aufgrund der Aktenlage und der Schreiben des Angeklagten abgegeben. "Als Psychiater kann man daraus durchaus Schlüsse ziehen", betonte der Mediziner.

Die Atmosphäre in dem Prozess 2004 sei angespannt gewesen, erläuterte der Zeuge am Mittwoch. Das Gericht habe noch in der Verhandlung gefragt, ob der Angeklagte bereit sei, sich untersuchen zu lassen. Darauf ließ sich Mollath aber nicht ein.

Verteidigung fragt nach Zweifeln

Die Verteidigung beschränkte sich am Mittwoch auf eine einzige Frage an den Psychiater: "Haben Sie irgendetwas falsch gemacht?", fragte Mollaths Rechtsanwalt Gerhard Strate. Es habe ein Rest Unsicherheit bestanden, sagte der Mediziner. "Deshalb habe ich auch eine weitere Aufklärung gefordert." Später wurde Mollath dann zwangsbegutachtet, mit dem gleichen Ergebnis.

Mollath muss sich wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung bei dem Wiederaufnahmeverfahren verantworten. Unter anderem soll er 2001 seine damalige Ehefrau körperlich misshandelt und eingesperrt haben. Zudem soll er Dutzende Autoreifen zerstochen haben. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte Mollath im Jahr 2006 von den Vorwürfen wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen und ihn in die Psychiatrie eingewiesen. Der Fall hatte eine Debatte über die Unterbringung in psychiatrischen Kliniken ausgelöst.

Autohändler berichtet von Racheplänen

Am Vormittag hatte ein Autohändler von unmissverständlichen Rache-Äußerungen des Nürnbergers berichtet. Gustl Mollath habe ihm bei einem Besuch 2005 gesagt, dass er allen Menschen schaden werde, die seiner Ex-Frau und ihrem neuen Freund geholfen hätten, sagte der 59-jährige Zeuge vor dem Landgericht Regensburg.

Der Autohändler hatte einen Transporter zum Auszug von Mollaths damaliger Frau zur Verfügung gestellt. Wochen später wurden mehr als 50 Reifen auf dem Gelände des Händlers zerstochen. Mollath habe ihm bei dem Besuch auch einen angeschliffenen Schraubenzieher gezeigt, erklärte der Zeuge. "Er sagte mir, er fühle sich von Banken, seiner Ehefrau und der Polizei bedroht und sei jetzt auch bereit, sich zu wehren."

Der Angeklagte habe ihm von einer jüdisch-amerikanischen Verschwörung und der Banken geschildert, die seine Vernichtung plane, behauptete der Zeuge. Das Gespräch sei ziemlich wirr gewesen. Mollath habe zudem versucht, so auszusehen wie Hitler soll der Autohändler laut Mittelbayerischer Zeitung zudem gesagt haben. Und zur Begründung: "Haben Sie seinen Bart gesehen?"

Gerichtsvollzieher schildert Mollath nicht als aggressiv

Ein Gerichtsvollzieher, der damals mehrere Pfändungen bei Mollath durchgeführt hatte, schilderte den 57-Jährigen am Mittwoch dagegen nicht als aggressiv. Es habe bei den Pfändungen zwar Anspannungen gegeben, weil "ich ihm Dinge weggenommen habe, die ihm lieb waren", sagte der 64-Jährige. "Er war mir gegenüber aber nie aggressiv. Es hat zwar verbal geknistert, er hat mich aber nie beleidigt oder beschimpft."

Unter anderem hatte der Gerichtsvollzieher bei Gustl Mollath nach der Scheidung von dessen Ehefrau vier Sportwagen, darunter zwei Ferraris, sowie ein Motorrad gepfändet. Auch der Gerichtsvollzieher wurde Monate später Opfer einer Sachbeschädigung. Zwei Scheiben seines Autos wurden großflächig zerkratzt. Einen Verdacht hatte er jedoch nicht.

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