Wiederaufnahme in Bayreuth "Lebt Peggy noch oder nicht?"

Ein Gedenkstein in Nordhalben im Frankenwald zeigt Peggys Porträt. Seit 13 Jahren sucht die Polizei nach der verschwundenen Schülerin.

(Foto: David Ebener/dpa)

Im Fall der verschwundenen Peggy hat ein ehemaliger Mordermittler Zweifel an der Schuld des geistig behinderten Angeklagten Ulvi K. geäußert. Der Zeuge ist noch nicht mal sicher, dass das Mädchen wirklich tot ist.

Im Wiederaufnahmeverfahren gegen den geistig Behinderten Ulvi K. wegen Mordes an der neunjährigen Peggy hat ein ehemaliger Mordermittler Zweifel an der Schuld des Angeklagten geäußert. "Meiner Meinung nach ist auch heute noch die große Frage: Lebt Peggy noch oder nicht?", sagte der Beamte am Montag vor dem Landgericht Bayreuth.

Er könne noch nicht einmal ausschließen, dass Peggys Mutter nichts mit dem Verschwinden des Kindes zu tun habe. "Ich weiß nicht, was passiert ist, also kann ich auch nichts ausschließen", betonte der 65-Jährige, der die Soko Peggy 1 leitete.

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Landgericht Bayreuth

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Peggy kam am 7. Mai 2001 nicht von der Schule nach Hause und gilt seitdem als vermisst. Eine Leiche des Mädchens wurde nie gefunden. Als ihr Mörder wurde im April 2004 der geistig behinderte Ulvi K. verurteilt. Er hatte im Herbst 2002 gegenüber der Soko Peggy 2 überraschend ein Geständnis abgelegt. Später stellte sich heraus: Das Geständnis von Ulvi K. war der Tatrekonstruktion der Ermittler verblüffend ähnlich - deshalb wird der Fall jetzt neu aufgerollt.

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"Als ich von dem Geständnis erfahren habe, konnte ich es zunächst gar nicht glauben", sagte der Mordermittler nun. Seine Soko habe viele Spuren und mehrere Verdächtige gehabt, aber keinen Täter überführen können. Auch der damalige Lebensgefährten von Peggys Mutter wurde verdächtigt.

"Es gab zwischen dem Paar ständig Streitereien, auch schon vor Peggys Verschwinden", erzählte er. Der inzwischen pensionierte Polizeibeamte berichtete von Morddrohungen des Mannes gegen Peggys Mutter. Er habe zudem gedroht, Peggys Schwester zu entführen. "Deshalb zählte er natürlich zu den Verdächtigen."

Drei neue Verdächtige

Unabhängig davon wird in dem Kriminalfall seit Sommer 2012 wieder ermittelt. Der Leiter der neuen Ermittlungsgruppe, Klaus Müller, sagte am Montag: "Wir gehen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Peggy nicht mehr lebt." Der genetische Fingerabdruck des Mädchens sei in Datenbanken gespeichert und werde seit 13 Jahren immer wieder im In- und Ausland abgeglichen - ohne jegliche Treffer.

Laut Müller gibt es neben Ulvi K. mittlerweile drei weitere Tatverdächtige: Eine Spur brachte die Ermittler auf einen Mann aus Halle in Sachsen-Anhalt. Der 29-Jährige sitzt derzeit wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter in Haft. Er habe eingeräumt, sich auch an seiner Nichte mehrmals vergangen zu haben. Auffällig daran ist, dass die Nichte im gleichen Haus wie Peggy wohnte.

In der Haftzelle des 29-Jährigen fand die Polizei ein Foto Peggys. Er habe sehr heftig reagiert, als ihm das Bild abgenommen worden sei, sagte Müller. Der Mann streite vehement ab, etwas mit dem Verschwinden Peggys zu tun zu haben. Er habe lediglich Kuscheln mit Peggy auf dem Sofa eingeräumt. Seine Alibis für den 7. Mai hätten sich mittlerweile alle als falsch erwiesen, betonte Müller. Auch der Halbbruder des Mannes habe kein Alibi.

Tatverdächtig sei außerdem ein Lichtenberger, der ebenfalls bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt wurde. Sein Haus liegt nur wenige Schritte von der damaligen Wohnung Peggys entfernt. Eine Durchsuchung seines Grundstücks im Frühjahr 2013 verlief ergebnislos. Der Mann habe kein Alibi für den Tattag. "Der vierte Tatverdächtige bleibt nach wie vor Ulvi K. Er kann genauso der Täter sein wie die drei anderen", sagte Müller. Denn auch Ulvi K. könne kein Alibi vorweisen.