Obrigkeit in Bayern Dumme Jungs und üble Hetzer

Der König als Kunst-Eunuch

Fast zwei Jahrzehnte waren vergangen, doch aus Heinrich Heines Zeilen spricht noch immer Kränkung. In den 1820er Jahren hatte ihm der Gedichte schreibende Ludwig I. eine sicher geglaubte Professur an der Münchner Universität verwehrt. 1844 schlug Heine zurück. In seinen "Lobgesängen auf König Ludwig" imitierte er die unbeholfenen Zeilen des Monarchen, nannte ihn den "angestammelten König" der Bayern, "Kunst-Eunuch" und einen Schutzpatron für Affen und Kängurus. Natürlich: Ein Held sei er auch, ganz "wie Otto, das Kind, sein Söhnchen; der kriegte den Durchfall zu Athen, und hat dort besudelt sein Thrönchen". Zu guter Letzt verriss Heine noch die royale Lyrik: "Herr Ludwig ist ein großer Poet, und singt er, so stürzt Apollo vor ihm auf die Kniee und bittet und fleht: Halt ein, ich werde sonst toll, o!" Eine Reaktion Ludwigs musste Heine nicht fürchten: Er lebte im sicheren Paris.

Unheilbar blödsinniger Prinz

Anton Memmingers Eltern hatten ihrem Sohn eine "gediegene Erziehung" ermöglicht, doch kurz nachdem Ludwig II. tot aus dem Starnberger See geborgen wurde, verhielt sich der Würzburger Publizist alles andere als gediegen gegenüber Ludwigs Bruder und Thronfolger Otto, der seit Jahren in psychiatrischer Behandlung war. Memminger schrieb im Juni 1886 in der Bayerischen Landeszeitung: "Man kann doch dem Volke nicht zumuten, dass es die Ehrfurcht, Liebe und Achtung, die es dem genialen König Ludwig II. auch im Unglück nicht versagte, auf einen unheilbar blödsinnigen Prinzen überträgt." Memminger wurde wegen Majestätsbeleidigung verurteilt. Später fiel er als übler antisemitischer Hetzer auf.

Ins Exil dank Kaiser Wilhelm

1898 reiste der deutsche Kaiser Wilhelm II. mit pompösem Gefolge nach Palästina. Die satirische Zeitschrift Simplicissimus machte sich darüber mit einer Karikatur und einem eigentlich recht harmlosen Spottgedicht von Frank Wedekind lustig: "Willkommen, Fürst, in meines Landes Grenzen / Willkommen mit dem holden Ehgemahl / Mit Geistlichkeit, Lakaien, Excellenzen / Und Polizeibeamten ohne Zahl." Das gab Ärger: Der Karikaturist Thomas Theodor Heine bekam sechs Monate Haft aufgebrummt, Verleger Albert Langen floh nach Paris. Wedekind ging in die Schweiz und stellte sich 1899, er wurde zu fünf Monaten Festungshaft verurteilt. Ludwig Thoma, damals schon Mitarbeiter des Simplicissimus, hatte vor der Veröffentlichung gewarnt, war aber nicht ernst genommen worden, weil er als Feind Wedekinds galt. Dabei war er selbst nicht zimperlich: Einmal musste er sechs Wochen in Stadelheim einsitzen wegen der Beleidigung von Sittlichkeitsvereinen. Ein andermal schrieb er ein Spottgedicht auf den Landtag, dessen Strophen jeweils mit der Zeile endeten: "Bayerns neues Parlament!" Nur bei der letzten mit der Frage: "Und was ist das Allerdümmste? / Schon noch dümmer als wie dumm?" lautet der Schluss: "Himmelherrgottsakrament!!"

Fabelhaft

Auch Bayerns erster Ministerpräsident hatte Probleme mit der Obrigkeit: Kurt Eisner wurde 1897 nach einem Artikel in einer Berliner Zeitschrift wegen Majestätsbeleidigung zu neun Monaten Haft verurteilt, weil die Justiz in seiner Fabel über einen idealistischen und tatkräftigen Staatsmann den Kaiser Wilhelm II. nicht recht wiederfinden konnte. Später bekam dann eher die Obrigkeit einige Probleme mit Eisner, der nach dem Sturz des letzten bayerischen Königs Ludwig III. 1918 in München die Republik und den "Freistaat Bayern" ausrief.