Frauenrechte Schafft einen katholischen Feiertag zugunsten des Weltfrauentags ab!

Mariä Himmelfahrt ist der Feiertag zu Ehren von Maria, der Mutter Gottes. Dieses Bild zeigt eine Madonnen-Figur in der Bürgersaal-Kirche in München.

(Foto: Veronica Laber)

Berlin hat seit diesem Jahr am Weltfrauentag arbeitsfrei, in Bayern müsste wohl erst ein anderer freier Tag verschwinden. Dafür gibt es einige Kandidaten.

Kommentar von Max Muth

Bayern ist ein Paradies, das wissen alle Bayern. Und in einer gewissen Hinsicht wissen das auch die Berliner. Zumindest war die Tatsache, dass Bayern ein Paradies ist, den Berlinern ein Argument bei der Einführung des Weltfrauentags als neuem Hauptstadt-Feiertag: Bayern hat zwölf gesetzliche Feiertage, die überwiegend katholischen Landesteile 13, Augsburg sogar 14. Berlin hatte bis zu diesem Jahr nur mickrige neun.

Den Weltfrauentag zum gesetzlichen Feiertag zu erklären, ist eine charmante Idee. Ein Tag, an dem unter anderem daran erinnert wird, dass Frauen weniger verdienen als Männer und deutlich mehr als die Hälfte der Care Arbeit in der Gesellschaft leisten, stünde dem progressiven Bayern hervorragend. Doch Arbeitgebern in Augsburg einen 15. Feiertag schmackhaft zu machen, dürfte schwer sein. Dieses Problem ließe sich leicht lösen - mit der Abschaffung eines kirchlichen Feiertages.

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Dieser Vorschlag ist bei genauerem Hinsehen gar nicht radikal. Der Anteil der Kirchenmitglieder sinkt stetig; noch gibt es in Deutschland mehr von ihnen als Frauen, das Verhältnis dürfte sich aber in wenigen Jahren umkehren. Der Festtag, der dem Frauentag weichen würde, dürfte auch keines der wirklich bedeutenden christlich verwurzelten Feste betreffen. Weihnachten, Karfreitag, die Heiligen Drei Könige, Christi Himmelfahrt - sie dürfen alle bleiben. Sogar Allerheiligen könnte man aufgrund der Verwurzelung in großen Teilen der älteren Bevölkerung für sakrosankt erklären.

Es bleiben also drei Kandidaten zur Auswahl: Fronleichnam, Pfingstmontag und Mariä Himmelfahrt. Fronleichnam wird in einigen Gemeinden aufwändig begangen, in anderen großflächig ignoriert, Pfingstmontag wäre eigentlich die logische Wahl. Sogar im Vatikan wird an diesem Tag gearbeitet, wie es Deutschland geschafft hat diesen liturgisch unbedeutenden Tag in den Feiertagskalender zu schmuggeln, weiß nur Gott allein. Gegen Pfingstmontag sprechen allerdings pragmatische Gründe. Den Bayern ein garantiertes langes Wochenende zu nehmen und durch einen fixen Frauentag zu ersetzen, könnte sie gegen den Frauentag aufbringen.

Die logische Lösung: Die Bayern in überwiegend katholischen Teilen des Landes müssten auf den Tag verzichten, der in Ostkirchen den eingängigen Namen "Hochfest des Entschlafens der allheiligen Gottesgebärerin" trägt: Mariä Himmelfahrt. Das würde die Franken freuen und hätte noch einen anderen Vorteil: Maria, die Mutter Gottes, wäre als Frau am Weltfrauentag mitgemeint.

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