Weltbild-Verlag droht der Verkauf Erotische Literatur im kirchlichen Medienhaus

"Zur Hure erzogen" oder "Schlampeninternat": Der kirchliche Weltbild-Verlag hat auch erotische Literatur vertrieben. Die Bischöfe wollen nun einen Schlussstrich ziehen.

Von Stefan Mayr

Der Vorwurf ist überaus plakativ: "Kirche verdient mit Pornos Millionen." Diese Schlagzeile einer Boulevardzeitung ist zwar reichlich übertrieben, dennoch hat die Affäre um den Verkauf von Erotikbüchern durch die Verlagsgruppe Weltbild große Unruhe ausgelöst. Denn das Augsburger Unternehmen gehört mehrheitlich kirchlichen Institutionen, deshalb haben sich bereits mehrere Bischöfe und der Papst kritisch zu Wort gemeldet.

Unter Druck: Weltbild-Geschäftsführer Carel Halff.

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Nun hat der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Donaubauer seinen Rücktritt erklärt - und für kommende Woche werden weitere einschneidende Ereignisse erwartet. Die Rede ist auch von einem Verkauf des Verlages, der mit mehr als 1,6 Milliarden Euro Umsatz als einer der größten Medienhändler Europas gilt.

Der Konflikt zwischen Moral und Geschäft schwelt schon seit Jahren in dem Verlagshaus, das dem Verband der Diözesen Deutschlands (24,2 Prozent), dem Militärbischofsamt und zwölf katholischen Diözesen gehört. Bereits 2009 wollten die Eigentümer den Verlag verkaufen, wurden ihn aber nicht zum erwünschten Preis los. Die aktuelle Diskussion um die vermeintlich pornografischen Produkte löste ein Kurzbericht im Fachmagazin Buchreport aus.

Ende Oktober war dort zu lesen, dass auf der Internetseite www.weltbild.de unter dem Suchbegriff Erotik mehr als 2500 Produkte bestellt werden können. Darunter Bücher wie "Zur Hure erzogen" oder "Schlampeninternat". Wie der Blitz schlug diese Meldung in manchen Diözesen und im Vatikan ein. "Es ist an der Zeit, Prostitution und auch die Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken", ließ Papst Benedikt den deutschen Bischöfen ausrichten.

Über diese Botschaft werden die Bischöfe am Montag in ihrer Sitzung des Ständigen Rates diskutieren. Gut unterrichtete Kreise aus dem Bistum Augsburg deuten an, es werde zu einem "großen Finale" kommen. Einige Bischöfe seien wild entschlossen, das Verlagshaus zu verkaufen. Bereits Ende Oktober hatte der Aufsichtsrat des Verlages die Geschäftsführung aufgefordert, "ihrer Verantwortung konsequent zu entsprechen", wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilte. Inzwischen ergibt das Suchwort "Erotik" auf der Weltbild-Webseite keine Treffer mehr.

Am Donnerstag erklärte nun der Finanzdirektor der Diözese Augsburg, Klaus Donaubauer, seinen Rücktritt als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Und per Pressemitteilung kündigt das Bistum Augsburg weitere Nachwirkungen an: "Der Rücktritt Dr. Donaubauers kann sicher nur als eine erste persönliche Konsequenz verstanden werden."

Weltbild-Geschäftsführer Carel Halff betont zwar, dass sein Haus die erotische Literatur nicht aktiv anbiete. Vielmehr sei sie nur über das Großhandelsangebot des Buchhandels bestellbar. Die dabei erzielten Umsätze betrügen "weniger als 0,017 Prozent" des Gesamtumsatzes, und die Produkte seien keine "Pornografie" im eigentlichen Sinne. Ob diese Argumentation die konservativen Bischöfe besänftigen kann, bleibt abzuwarten.