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Weihenstephan:Bier war lange das einzig saubere Getränk

Aber nicht nur das. "Bier war schon immer ein keimfreies und deshalb sauberes Getränk", sagt Zarnkow. "Anders als das Wasser, das die Leute aus den Brunnen schöpften." Vom Mittelalter an galt Bier als das einzige Getränk, bei dem ein jeder gewiss sein konnte, dass er davon nicht krank wird. Der Grund: Der Alkohol, die Kohlensäure und sein vergleichsweise niedriger pH-Wert sorgen dafür, dass es frei von Keimen ist. Außerdem war Bier lange Zeit das einzige wirklich haltbare Getränk.

Deshalb nahmen Seefahrer für ihre wochenlangen Fahrten über die Ozeane lieber Bier statt Wasser an Bord, sagt Zarnkow. "Wasser verdarb einfach viel zu schnell." Bier ist auch sehr nahrhaft. "Bis weit ins 17. Jahrhundert war es Bestandteil der täglichen Ernährung", sagt Zarnkow. Und zwar ein sehr geschmackvoller - "zumindest im Vergleich zu den einfachen Breis, Suppen und sonstigen Alltagsgerichten, die damals auf den Speisezetteln standen", wie Zarnkow sagt. "Die Rede von Bier als dem flüssigem Brot erinnert noch an diese Zeit."

Und heute? Bier hat ungefähr 8000 Inhaltsstoffe, darunter sind mehr als 400 Duftstoffe. Den größten Anteil am Bier hat freilich Wasser mit ungefähr 92 Prozent. "Die üblichen Biere liegen bei etwa fünf Prozent Alkohol, damit gehören sie zu den moderat alkoholhaltigen Getränken ", sagt Werner Back. "Im Wein sind zwischen sieben und 15 Prozent Alkohol." Dafür sind im Bier praktisch alle B-Vitamine enthalten. "Die sind sehr wichtig für das Wachstum der Zellen, die Nerven, die Haut und die Haare", sagt Back.

Auch Mineralstoffe wie Kalzium, Phosphor und Magnesium finden sich reichlich im Bier. Sie sind wichtig für harte Zähne. Das Kalium im Bier ist ein Regulativ für den Blutdruck, so wie das Silizium die Regeneration der Knochen fördern und sogar Osteoporose vorbeugen soll. "Und dann ist da noch der Hopfen mit seinen wertvollen Polyphenolen", sagt Back. "Diese aromatischen Stoffe wirken antioxidativ, entzündungshemmend und bekämpfen die gefährlichen freien Radikale."

Natürlich gibt es auch Studien zu diesen und anderen Effekten. So haben etliche Untersuchungen ergeben, dass ein moderater Bierkonsum das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann. Allerdings liegt das offenbar weniger am Bier. Sondern am Alkohol im Bier. Schließlich wird auch dem Rotwein diese Wirkung zugeschrieben. Außerdem wird von Bierliebhabern gerne eine Studie aus dem Jahr 2007 aus Spanien zitiert, an der 57 Männer und Frauen teilnahmen. Die Männer tranken dabei 30 Tage lang täglich 0,66 Liter Bier, die Frauen 0,33 Liter. Das Ergebnis: Die Teilnehmer hatten nach diesem Zeitraum ein aktiveres Immunsystem als zuvor - bei den Frauen war der Effekt sogar ausgeprägter als bei den Männern.

Alkoholfreies Bier hat dieselben guten Inhaltsstoffe

Alles in bester Ordnung also, möchte man fast meinen. Wäre da nicht der Alkohol, wie auch Professor Back nachdenklich einräumt. Aber das mit dem Alkohol muss ja längst nicht mehr sein. Anders als noch vor 15 oder 20 Jahren gibt es nahezu überall alkoholfreies Bier, in Getränkemärkten und Wirtschaften genauso wie auf der Wiesn und anderen großen Volksfesten. "Das Beste ist: Das alkoholfreie Bier enthält die gleichen positiven Inhaltsstoffe und erzielt damit die gleichen Effekte wie das normale Bier", sagt Werner Back, "nur eben ohne Alkohol."

Wenig verwunderlich also, dass auch der Bierpapst inzwischen sehr gerne alkoholfreies Bier trinkt. Welche Marke er bevorzugt? Das will Back nicht sagen. Nur so viel: "Es gibt ganz hervorragende Alkoholfreie, etliche sind sogar isotonisch und damit ideale Getränke für Sportler."

© SZ vom 22.08.2016/vewo/ebri
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