Wechsel an der SPD-Spitze Wer auf einen Schulz-Effekt hofft, wird vergebens warten

Florian Pronold und Natascha Kohnen.

(Foto: dpa)

Florian Pronold hat als Chef der Bayern-SPD intern viel richtig gemacht. Dass er nun selbst Natascha Kohnen als Nachfolgerin benennt, ist allerdings fragwürdig.

Kommentar von Katja Auer

Florian Pronold tut den Schritt zurück zur richtigen Zeit. In seinen fast acht Jahren als bayerischer SPD-Chef hat er - vor allem intern - viel richtig gemacht, aber aus ihm ist nie der charismatische Anführer geworden, den sich die Genossen so gewünscht hätten. Und er muss sich zuschreiben lassen, dass die Bayern-SPD unter seiner Führung auf das historische Umfragetief von 14 Prozent gefallen ist. Das allerdings war vor der Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat, der die geschundenen Sozialdemokraten gerade in eine lange vermisste Euphorie versetzt. Da erscheint es passend, auch in Bayern den Neustart auszurufen.

Wer sich aber von Natascha Kohnen einen Schulz-Effekt erhofft, der wird enttäuscht werden. Die 49-Jährige ist seit 2009 Generalsekretärin und gehört damit ebenso zur viel gescholtenen Führungsspitze. Dass Pronold nun selbst seine Nachfolgerin benennt, ist fragwürdig. Es ist noch lange hin bis zum Parteitag im Mai und bis dahin werden sich jene formieren, die einen wirklichen Neuanfang fordern - mit einem anderen Kandidaten.

Deswegen ist nicht ausgemacht, dass Kohnen tatsächlich gewählt wird. Natascha Kohnen ist eine kluge und eloquente Frau, eine Sympathieträgerin, ein unverwechselbares Profil hat sie sich in ihren acht Jahren als Abgeordnete aber nicht zulegen können. Und ein anderes Gesicht wird nicht über die Probleme hinwegtäuschen können, dass es der Bayern-SPD seit Jahren nicht gelingt, die Leute zu erreichen. Die Affären der jüngsten Zeit haben die Partei zudem gebeutelt. Es gibt viel zu tun für die neue Spitzenkraft - wie auch immer sie heißt.

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