Wassertrüdingen in Mittelfranken:Haus mit Haken zu verschenken

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Ein Domizil in der Altstadt, gebaut im Steingruberstil mit Zwerchgiebel, für 0,00 Euro? Die mittelfränkische Stadt Wassertrüdingen hat ein Häuschen zu verschenken. Doch da gibt es einen Haken, erklärt Geschäftsleiter Peter Schubert.

Tobias Dorfer

Wassertrüdingen liegt zwischen Ansbach und Nördlingen in Mittelfranken. Das Städtchen zählt knapp 6000 Einwohner und ist bekannt für das Trüdinger Nussmärtel-Treiben, ein "bayernweit einzigartiges Spektakel", bei dem der Marktplatz von grimmigen Gestalten heimgesucht wird. Ulrich Enzensberger wurde hier geboren und die Firma Schwarzkopf & Henkel stellt in dem ehemaligen Markgrafenstädtchen Duschgele und Shampoos her. Jetzt macht die Stadt mit einem besonderen Angebot Schlagzeilen: Wassertrüdingen verschenkt ein Haus. Doch die Offerte hat so ihre Tücken, wie Geschäftsleiter Peter Schubert erklärt.

Wassertrüdingen, Peter Schubert, Haus zu verschenken

Dieses Haus will die Stadt Wassertrüdingen verschenken. Es gibt jedoch einen Haken.

(Foto: oh)

Süddeutsche.de: Herr Schubert, die Stadt Wassertrüdingen verschenkt ein Haus. Da gibt es bestimmt einen Haken, oder?

Peter Schubert: Na ja, verschenken ist übertrieben. Eine Gegenleistung wollen wir schon. Und zwar, dass das Haus wieder in einen ansehnlichen Zustand gebracht wird. Es handelt sich um ein altes Häuschen in der Altstadt im Steingruberstil mit Zwerchgiebel aus dem 17. Jahrhundert. Als der letzte Bewohner ins Altersheim gezogen ist, hat sich die Stadt das Gebäude gesichert. Wir wollten sichergehen, dass es auch wieder saniert wird.

Süddeutsche.de: Warum saniert die Stadt das Haus nicht selbst?

Schubert: Wir haben bereits viel Geld in die Altstadt gesteckt. Die Stadt hat ein Hotel gebaut, das jetzt verpachtet ist. Dazu ein neues Museum, wir haben mehrere Gebäude saniert ...

Süddeutsche.de: ... und jetzt ist die Kasse leer?

Schubert: Sagen wir so, finanziell stehen wir noch ganz gut da. Um jedoch Fördergelder zu bekommen, muss das Haus auch öffentlich genutzt werden. Unsere Verwaltung ist derzeit aber gut versorgt. Ein privater Käufer bekommt hingegen städtische und staatliche Zuschüsse. Die Stadt hat auch eine Ansiedlungsförderung beschlossen. In diesem Topf ist noch Geld. Und dann lässt sich die Investition steuerlich abschreiben.

Süddeutsche.de: Was kostet es denn, das Haus zu sanieren?

Schubert: Billig wird das nicht. Das Haus ist in den siebziger Jahren zuletzt saniert worden und in einem schlechten Zustand. Die Heizung muss gemacht werden, die Fenster und vieles mehr. Wenn jemand viel selbst übernimmt, kommt er vielleicht mit 100.000 Euro zurecht. Eine Luxussanierung könnte bis zu 400.000 Euro kosten. Dafür bekommt der Käufer eine gute Wohnlage, gleich neben der Stadtkirche.

Süddeutsche.de: Keine Hauptverkehrsstraße, kein Lärm, keine Einflugschneise?

Schubert: Der einzige Haken ist, dass das Häuschen in der Altstadt steht, wo es mit Grünflächen ziemlich schlecht aussieht. Und dass man zur Oper nach München anderthalb Stunden fahren muss. Aber dafür haben wir ja 2019 die Landesgartenschau in der Stadt.

Süddeutsche.de: Es gibt auch keine bösen Nachbarn?

Schubert: Nein, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Die Nachbarn kenne ich persönlich. Eine Familie aus Fürth hat das Haus geerbt und schön hergerichtet. Die sind pflegeleicht.

Süddeutsche.de: Fehlt nur noch ein Job.

Schubert: Wir haben hier eine Arbeitslosenquote von 1,5 Prozent. Unser Problem ist, dass wir hier zu wenig Fachpersonal haben. Es gibt viele mittelständische Unternehmen, die händeringend Mitarbeiter suchen. Aber der Markt ist leergefegt. Die Firmen überlegen schon, in Spanien anzuwerben.

Süddeutsche.de: Dann könnten Sie das Haus als Lockmittel doch selbst sanieren und dann verschenken, oder?

Schubert (lacht): Gute Idee. Aber leider ist das nicht realisierbar.

Süddeutsche.de: Gibt es schon Interessenten?

Schubert: Nein, wir warten noch. Wer zuerst kommt, kriegt den Zuschlag.

Süddeutsche.de: Und bis zur Gartenschau im Jahr 2019 soll alles fertig sein?

Schubert: Das wäre gut. Wenn es ein wenig länger dauert, ist das auch okay. Aber wir wollen halt sehen, dass sich etwas tut.

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