Theaterfestival in WasserburgGroße Bühnenkunst im kleinen Städtchen

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Schon Tradition: Udo Samel wird die Wasserburger Theatertage eröffnen.
Schon Tradition: Udo Samel wird die Wasserburger Theatertage eröffnen.
Christian Flamm

Neun Tage lang sind in Wasserburg Inszenierungen von bayerischen Privattheatern zu sehen – ein starkes Programm, das mit einer Lesung mit Udo Samel beginnt und mit „Derbleckereien“ von Richard Oehmann endet.

Von Yvonne Poppek, Wasserburg

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Eine „schöne wie erstaunliche“ Tradition nennen die Theatermacher aus Wasserburg das: Zum 19. Mal wird der  – nicht nur von der Bühne, sondern auch aus Film und Fernsehen bekannte  –Schauspieler Udo Samel die Theatertage in der oberbayerischen Stadt am Inn eröffnen. Das ist mehr als ein Zeichen, dass Wasserburg ein Theaterort mit ganz eigenem, herzlichem Flair ist. Rund 12 000 Einwohner leben dort; in puncto Theater macht Wasserburg weitaus größeren Städten, die oftmals keinen professionellen Bühnenbetrieb haben, aber etwas vor. So auch mit dem Treffen bayerischer Privattheater von Sonntag, 29. Juni, bis zum 6. Juli.

Udo Samel also beginnt die Theatertage mit einer Lesung. Samel hat sich Franz Kafkas „Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse“ ausgesucht, eine Erzählung, in der es um das Verhältnis von Künstler und Publikum geht. In deren Zentrum steht eine Maus, die sich als Sängerin selbst maßlos überschätzt und trotzdem reüssiert. Zumindest einige Zeit (29. Juni).

Jochen Schölch hat „Post von Karlheinz“ am Metropoltheater sehr schlicht inszeniert, hier im Bild Lucca Züchner (li.) und Bijan Zamani.
Jochen Schölch hat „Post von Karlheinz“ am Metropoltheater sehr schlicht inszeniert, hier im Bild Lucca Züchner (li.) und Bijan Zamani.
Marie-Laure Briane

Acht weitere Produktionen sind an den folgenden Tagen zu sehen. So etwa „Post von Karlheinz“ vom Metropoltheater. Jochen Schölch hat das gleichnamige Buch von Hasnain Kazim mit einem vierköpfigen Ensemble auf die Bühne gebracht. Der Autor und Journalist Kazim, Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer, hat darin eine unfassbare Korrespondenz veröffentlicht: Auf an ihn adressierte, rassistisch motivierte Hassmails, -briefe und -posts reagiert er gewandt, schlagfertig, mit Humor. Dieser Kommunikation gibt die Inszenierung Raum, wobei dem Effekt vertraut wird, den auch der Autor erreichen wollte: Man lacht sie aus, die kleingeistigen Hassbriefe-Schreiber (30. Juni).

Nach Wasserburg ist noch eine zweite Münchner Inszenierung eingeladen, „Noch wach?“, nach dem Roman von Benjamin Stuckrad-Barre. Stuckrad-Barre schrieb darin wenig versteckt über bekannte Personen der Medienbranche, über Machtmissbrauch und Missstände. Am Münchner Zentraltheater hat Regisseurin Lea Ralfs daraus eine  „MeToo“-Farce gemacht (3. Juli). Aus Landshut ist der derzeitige Theaterdauerbrenner „Prima Facie“ von Suzie Miller eingeladen. Der Theatermonolog handelt von einer Strafverteidigerin, die vergewaltigt wird und die Rechtsprechung von ihrer schmerzhaften Seite kennenlernt (1. Juli).

Ein Theaterfestival lebt freilich von unterschiedlichen ästhetischen Ansätzen und Themen. Die gibt es in Wasserburg auch: Hans Falladas „Kleiner Mann, was nun?“ zeigt das Theater Salz+Pfeffer aus Nürnberg mit Figuren (4. Juli). Experimentelles kommt von Thalia Schoeller, sie hat „Body of work“ für den Theater-Lkw des Theaters Schloss Maßbach geschrieben, es richtet sich an ein Publikum ab 15 Jahren (5. Juli).

Um Tiere, die ausgerottet wurden oder vielleicht noch werden, geht es in Thomas Köcks Stück „und alle tiere rufen: dieser titel rettet die welt auch nicht mehr (monkey gone to heaven)“, inszeniert vom Theater 5 Fürstenfeldbruck (2. Juli). Yasmina Rezas Kassenknüller „Der Gott des Gemetzels“ gibt es von „sia!“ präsentiert von Theaterlust im bairischen Dialekt. Und zuletzt tritt noch Richard Oehmann, Autor und Regisseur des Nockherberg-Singspiels, mit „Derbleckereien“ auf (6. Juli). Ein starkes Programm für das Theaterstädtchen am Inn.

19. Wasserburger Theatertage, Sonntag, 29. Juni, bis Sonntag, 6. Juli, Infos und Karten unter theaterwasserburg.de

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