Was 2016 richtig gut war Bayern ist ein Bilderbuchland

Bayern ist und bleibt ein Bilderbuchland - manchmal sogar mehr, als es den meisten Menschen im Alltagsleben bewusst wird.

(Foto: Johannes Simon)

Das Jahr 2016 hatte es in vielerlei Hinsicht in sich. Doch alles in allem lief es für die Menschen im Freistaat gar nicht so schlecht.

2016 werden viele Menschen als hartes, mit Herausforderungen verbundenes Jahr in Erinnerung behalten, auch in Bayern. Vieles scheint auf den ersten Blick in eine Richtung zu laufen, die keinem gefallen kann. Naturkatastrophen und Anschläge lösten Schrecken aus. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass auch Positives passiert ist. Eine kleine Auswahl.

Die Lebenserwartung der Bayern ist erneut gestiegen. Statistiker haben ausgerechnet, dass es neugeborene Buben im Schnitt nun auf 78,9 Jahre und neugeborene Mädchen auf 83,5 Jahre bringen werden. Im Vergleich zur Situation um 1900 hat sich die Lebenserwartung Neugeborener mehr als verdoppelt. Gesundheitlich geht es mit den Bayern ohnehin in einigen Bereichen aufwärts: Die Zahl jugendlicher Rauschtrinker ist erneut gesunken. Im Vergleich zu 2011 um fast 1000 Fälle auf nunmehr 4656 Kinder und Jugendliche. Hoffnung ist auch bei stark übergewichtigen Kindern angesagt. Der Anstieg der Zahl der Betroffenen ist gestoppt. Und was die Masern-Fälle im Freistaat betrifft: In diesem Jahr wurden nur 33 gemeldet - der niedrigste Stand seit mehr als zehn Jahren.

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Um die Lebenserwartung wäre es mit Sicherheit anders bestellt, lebten wir nicht schon so lange im Frieden. Wer in Bayern hätte es 1945 für möglich gehalten, dass nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dauerhafter Frieden einkehren würde? Diese glückliche Phase währt nun 71 Jahre, eine längere Friedenszeit hat es in Bayern seit 1000 Jahren nicht gegeben. Kürzere Friedensepochen gab es schon, etwa von 1815 bis 1865 und von 1871 bis 1914. In den Jahrhunderten vorher folgten die Kriege stakkatomäßig aufeinander: Napoleonische Kriege, Erbfolge- und Bauernkriege, Ritterschlachten. Wo Frieden herrscht, leben die Menschen meist sicher, und in Bayern scheint es immer sicherer zu werden. So gab es vor zehn Jahren noch 3000 Delikte mehr im Bereich der Gewaltkriminalität. Seitdem gehen die Straftaten zurück.

Wirtschaftlich gesehen, können die meisten Bayern im Grunde nicht meckern. Im ersten Halbjahr 2016 wuchs die Wirtschaft um 3,3 Prozent, das ist der höchste Wert unter den Bundesländern. Im Tourismus sieht es ebenfalls gut aus. Von Januar bis Oktober stieg die Zahl der Übernachtungen um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf gut 80 Millionen. Angesichts der wirtschaftlichen Gesamtlage ist es kein Wunder, dass die Arbeitslosenquote in Bayern niedrig ist. Im November lag sie bei 3,2 Prozent. Gleichzeitig wurden gut 17 Prozent mehr offene Stellen gemeldet als noch im November 2015. Damit ist Bayern nah dran an der Vollbeschäftigung.

Auch die Landwirtschaft blüht. Dem miesen Wetter und Preiskrisen zum Trotz produzieren Bayerns Bauern große Mengen. Die diesjährige Kartoffelernte (1,8 Millionen Tonnen) reicht für den Jahresbedarf von 34 Millionen Deutschen aus. Mit der Brotgetreide-Ernte (4,2 Millionen Tonnen) kann man sogar 52,5 Millionen Menschen versorgen. Selbst beim Spargel ist Bayern rein rechnerisch nicht auf Importe angewiesen. 20 000 Tonnen Spargel ernteten die hiesigen Bauern 2016, genug für 13,3 Millionen Spargel-Liebhaber.

Bayern hat Power - auch dank Erneuerbarer Energien. Zwar sind das neue EEG und das bayerische Abstandsgesetz für Windräder wenig hilfreich für die Zukunft Erneuerbarer Energien. Sagen zumindest Experten. Aber noch funktioniert ihr Ausbau gut. 2,2 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Wind, Sonne und Biomasse oder 7,8 Prozent beträgt das Plus der Erneuerbaren Energien 2016. 39,6 Prozent macht inzwischen ihr Anteil an der Stromproduktion aus, im Vorjahr waren es noch 36,2 Prozent. Deshalb spürt man auch die Abschaltung des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld bei Schweinfurt im Sommer 2015 kaum.

Menschlich gesehen strotzt der Freistaat ebenfalls vor Kraft. Fast die Hälfte aller Bayern über 14 Jahren setzt sich freiwillig für das Gemeinwesen ein. Der Anteil der ehrenamtlich Engagierten steigt seit Jahren kontinuierlich an. Knapp die Hälfte der freiwilligen Arbeit wird in Vereinen geleistet, ebenfalls mit stetig steigender Tendenz. Zugleich werden aber auch informelle Gruppen und lose Netzwerke engagierter Bürger immer mehr. Die grundsätzliche Bereitschaft, sich freiwillig für die Allgemeinheit einzusetzen, schätzt das Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern noch viel höher ein. Sie zieht sich durch alle Bildungsschichten und Altersgruppen und lässt statistisch erst im Rentenalter etwas nach.

Letztlich wäre die Integration der Flüchtlinge in Bayern wohl gescheitert, gäbe es nicht so viele ehrenamtliche Helfer. Doch auch die Profis tun ihr Bestes: Die Strategie zur Integration junger Flüchtlinge in den Schulen funktioniert. Die Organisatoren im Kultusministerium und auch die Lehrer wechseln nicht viele Worte, sie lassen seit mehr als einem Jahr Taten sprechen und versuchen gemeinsam mit Sozialpädagogen und Schulpsychologen, 56 850 Kinder und Jugendliche in den Grund-, Mittel- und Berufsschulen aufzufangen, ihnen die Eingewöhnung in der Fremde zu erleichtern und ihnen nicht nur Deutsch, sondern auch die besonderen Bräuche Bayerns beizubringen. Mittlerweile gibt es neben den fast 1900 Integrationsklassen auch (abgespeckten) Unterricht in den Abschiebe-Einrichtungen.

Gute Nachrichten gibt es aber auch für deutsche Familien mit Kindern. Was die Plätze in Kinderhorten und Nachmittagsbetreuung betrifft, kann Bayern bezüglich der vergangenen sieben Jahre Steigerungen von mehr als 250 Prozent vorweisen. Im Bundesschnitt bemängeln Studien immer wieder eher Bayerns mittelmäßige Werte, aber Fakt ist, dass Zehntausende Schüler derzeit die Wahl zwischen 6200 Gruppen der Mittagsbetreuung oder 5670 Gruppen der offenen Ganztagsschule haben. Oder sie besuchen eine der 1074 Ganztagsklassen, die im Wechsel mit Spiel und Sport bis nachmittags Unterricht haben.

Man sollte also meinen, die Bayern sind gleichermaßen glücklich. Manche sind aber noch glücklicher: die Franken. Im Glücksatlas liegen sie bezüglich Zufriedenheit weit vor den Menschen im Süden Bayerns. Die belegen in der bundesweiten Studie nur Platz acht, während es die Franken immerhin auf Platz zwei bringen.

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