Warnung der Ärztefunktionäre:Notdienst leidet an Personalmangel

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Bislang galten der ärztliche Bereitschaftsdienst und der Notarztdienst in Bayern als vorbildlich. Doch das System ist bedroht. Auf dem Land gibt es immer größere Lücken bei der Versorgung von Patienten. Nun sollen Krankenhäuser einspringen.

Dietrich Mittler

Selten wird Patienten bewusster, wie wichtig ärztliche Hilfe ist, als in akuten Notfällen - und zu Zeiten, in denen die Praxen am Abend bereits geschlossen haben und plötzlich hohes Fieber auftritt. Bislang galten der ärztliche Bereitschaftsdienst und der Notarztdienst in Bayern als vorbildlich. Doch das System ist bedroht, geht es nach den verantwortlichen Ärzten: "Besonders in den ländlichen Regionen Bayerns sind die Bereitschafts- und Notarztdienste kaum mehr zu besetzen", warnt Wolfgang Krombholz, der Vorsitzende der Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB).

Ärzteprotest

ayerns Ärztefunktionäre warnen: Es werde zunehmend problematisch, die Bereitschafts- sowie auch die Notarztdienste im Freistaat noch zu besetzen.

(Foto: dpa)

Lange Arbeitszeiten, die Berufsbelastung sowie aber auch eine "unzureichende Vergütung" sorgten dafür, dass immer weniger Ärzte bereit sind, für die Dienste zur Verfügung zu stehen.

Am Montag trafen sich die Vertreter der bayerischen Kassenärzte zu einer Dringlichkeitssitzung - ihr Ziel: die Zukunft der Dienste zu sichern. Um einen Zusammenbruch zu verhindern, seien neue Lösungsansätze gefordert. "Unser Hauptproblem ist seit Jahr und Tag der Nachwuchsmangel", sagt Krombholz. Immer häufiger hätten sich Brennpunkte aufgetan, in denen nur sieben oder gar noch weniger Ärzte für den Bereitschaftsdienst in ihrem Einsatzbereich greifbar waren. "Am Ende hatten wir - auf ganz Bayern verteilt - 123 solcher Brennpunkte", betont Krombholz.

Das trifft insbesondere den ländlichen Bereich. "Also gut 40 Prozent der Bevölkerung", sagt Krombholz. Man müsse sich dort darauf einstellen, dass die Ärzte im Bereitschaftsdienst künftig nicht mehr heim zu den Patienten fahren, wenn diese noch selbst in der Lage sind, in die Praxis zu kommen. "Wenn einer kein Auto hat, dann wird er sich notfalls ein Taxi nehmen müssen", sagt der KVB-Chef - eben für den Fall, dass keine Lösung gefunden werde, wie der Bereitschaftsdienst in der bisherigen Qualität weitergeführt werden kann.

Einsatzgebiete sollen zusammengelegt werden

Die Antwort darauf sieht derzeit so aus, dass die KVB viele Einsatzgebiete zusammenlegen will. Damit wächst zwar der Pool an Ärzten, die für solche Dienste zur Verfügung stehen - aber eben auch der Radius, in dem sie tätig sein müssen. Christian Waas, Hausarzt im niederbayerischen Bogen, ist ein Beispiel dafür, was das für einen Landarzt bedeutet.

Bereits jetzt graut es ihm vor dem Winter, wenn nun länger werdende Anfahrtswege zu den Patienten im Bayerischen Wald auch noch verschneit sind. "Dann kann es sein, dass ein Patient bis zu zwei Stunden auf mich warten muss", sagt er. Derzeit sind in Bayern rund 21.000 Kassenärzte zum Bereitschaftdienst verpflichtet. Das hört sich nach vielen an, sind es aber laut Krombholz nicht.

"Das Problem ist, dass wir an Wochenenden und Feiertagen sowie nachts Lücken haben", sagt er. Viele angehende Ärzte wollten solche Belastungen nicht auf sich nehmen. Sie entschieden sich gegen eine Landpraxis - zumal die Vergütung für die Dienste zu gering sei: "Durch die ärztliche Leistung zahlen sie gerade mal ihr Auto, und das kann es doch nicht sein."

Die Lösung des Problems sieht Krombholz in der Einrichtung von nahezu 70 neuen Bereitschaftsdienst-Praxen, an deren Finanzierung sich die Kassen beteiligen sollen. Aber auch die Ärzteschaft müsse sich fragen, ob sie aus ihrem Honorartopf Rücklagen bildet, mit denen Reformen sichergestellt werden können. Seitens der Krankenhausträger kommt das Signal, sie seien bereit, die Praxen bei der Sicherstellung des Notdienstes zu unterstützen. "Dies kann aber nicht bedeuten, dass die Krankenhäuser zum einseitigen Ausfallbürgen werden", hieß es am Rande der KVB-Versammlung.

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