Wirtschaft in Bayern:Vereint im Wandel

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In seltener Einträchtigkeit diskutieren Wirtschafts- und Umweltverbände, wie sich Ökologie und Ökonomie besser vereinen lassen. Eine aktuelle Studie sieht in Bayern Potenzial für 340 000 neue Jobs.

Von Maximilian Gerl, München

Umwelt- und Wirtschaftsverbände haben mehr Tempo und Gestaltungswillen bei Energiewende und Klimaschutz angemahnt - auch um Arbeitsplätze zu schaffen. Für den ökologischen wie sozialen Wandel müsse man "Fortschritt neu definieren", forderte der Vorsitzende des Bundes Naturschutz, Richard Mergner, am Donnerstag. Greenpeace-Vorstand Martin Kaiser sagte, der Klimawandel sei auch in Bayern zu spüren. Die bisherigen Maßnahmen müssten daher auf den Prüfstand. Laut einer neuen Studie im Auftrag beider Organisationen sei es im besten Fall möglich, dass in Bayern bis 2030 mehr als 340 000 neue Stellen entstünden und gleichzeitig die CO2-Emissionen deutlich reduziert würden. Dazu seien aber ehrgeizigere politische Rahmenbedingungen nötig.

Ihre grundsätzliche Unterstützung signalisierten die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) und die Gewerkschaft IG Metall. Dass diese gemeinsam mit den Umweltorganisationen deren Studie vorstellten, darf als außergewöhnlich gelten: Normalerweise sieht man schon die Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern selten einträchtig nebeneinander sitzen. "Wir begrüßen und teilen den Austausch", sagte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Er erhoffe sich neue Impulse, wie sich Wirtschaftlichkeit und Umwelt vereinen ließen. IG-Metall Bezirksleiter Johann Horn wies auf die "positive Botschaft" der Studie hin. Zwar gingen durch die Transformation der Wirtschaft Arbeitsplätze verloren, es entstünden aber eben auch neue.

Die Studie wurde vom Deutschen Institut für Wirtschaft und dem Forum Ökologische Soziale Marktwirtschaft durchgeführt. Vereinfacht untersucht sie, welchen Einfluss bestimmte Maßnahmenpakete in Bereichen wie Mobilität oder Tourismus haben. Vorgeschlagen werden zum Beispiel mehr energetische Gebäudesanierungen und die Förderung alternativer Antriebe im Autobau. Insgesamt belaufen sich die gelisteten Investitionen auf 88 Milliarden Euro über zehn Jahre und die CO2-Einsparungen auf bis zu 35 Millionen Tonnen.

In der Deutung der Ergebnisse liegen die beteiligten Verbände oft nah beisammen und mal weiter auseinander. So geht der Ausbau der Erneuerbaren Energien allen zu langsam voran. Die "Antriebsfrage" beim Auto hingegen will Greenpeace zugunsten des E-Motors klären, während sich die Wirtschaft mehr "Technologieoffenheit" wünscht. Einig war man sich am Donnerstag aber über das weitere Vorgehen: Die Studie soll nun an andere Branchenverbände mit Bitte um Einschätzung geschickt werden.

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