Unter Bayern:St. Corona und der E-Scooter

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Warum Horst Seehofer und Andreas Scheuer auf ihrer Wallfahrt nach St. Corona dreimal auf Knien die Bayerische Staatskanzlei umrundet haben

Kolumne von Roman Deininger

Massing, 19. Mai. Die Bundesminister Andreas Scheuer und Horst Seehofer (beide CSU) haben auf ihrer international beachteten Pilgerreise rechtzeitig zu Christi Himmelfahrt die Wallfahrtskirche St. Corona im niederbayerischen Massing erreicht. Scheuer und Seehofer waren am Montag vergangener Woche in Berlin zu Fuß aufgebrochen, um der Heiligen Corona mit einer Wallfahrt für ihren Verbleib im Kabinett zu danken. Eigentlich hatte CSU-Chef Markus Söder geplant, beide Minister noch vor der Sommerpause abzuberufen. Aufgrund der globalen Pandemie hat er davon offenbar Abstand genommen.

Die Pilger Scheuer und Seehofer hatten deshalb am Sonntag auch an der Bayerischen Staatskanzlei in München Station gemacht und das Gebäude auf Knien drei Mal umrundet. Söders Staatskanzleichef Florian Herrmann lud den beiden ein Wandkreuz auf die Schultern, das 2018 für kurze Zeit im Foyer gehangen hatte. "Heiliger Markus, Du hast uns Barmherzigkeit erwiesen", sagte Scheuer bei einer Andacht im Hofgarten. "Stärke und erhalte uns in Deinem heiligen Dienste", ergänzte Seehofer. Als Souvenir gab Herrmann den Ministern je einen 80-Liter-Sack Hofgarten-Erde mit auf den Weg. "Seid wie Briefmarken", sagte Herrmann. "Bleibt dran, bis ihr am Ziel seid."

Bei ihrer Ankunft in Massing wurden die Wallfahrer von Hunderten Corona-Skeptikern empfangen, die ihnen vorwarfen, das Virus erfunden zu haben, um ihre Ämter behalten zu können. Es gebe erdrückende Beweise, dass der Corona-Erreger Ende Dezember aus einem Keller in Schamhaupten im Altmühltal entwichen sei. Die Demonstranten beschuldigten Scheuer zudem, auf dem Pilgerweg betrogen zu haben: Zwischen Bitterfeld und Naila soll der Verkehrsminister einen E-Scooter benutzt haben. Seehofer bestätigte das indirekt: "Ich hab' zum Generalsekretär gesagt: Lass den Schmarrn."

In der Wallfahrtskirche beteten die Minister dann zu Füßen der Corona-Figur an der nördlichen Chorwand für eine Verlängerung des Lockdowns "weit über die Bundestagswahl hinaus". Als Opfergabe brachte Seehofer der Heiligen eine originalgetreue Miniatur-Nachbildung des Hauptbahnhofs von Wuhan dar. Scheuer legte einen hochwertigen E-Scooter mit nur leichten Gebrauchsspuren ab.

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