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Walhalla bei Regensburg:Verspottet als "marmorne Schädelstätte"

Zuletzt befürwortete die Akademie die Aufnahme der Büsten des Mathematikers Carl Friedrich Gauß (2007), der Ordensfrau Edith Stein (2009) und des Dichters Heinrich Heine (2010). Ausgerechnet Heine, wird sich so mancher gewundert haben. Denn der hatte nur Spott und Häme für die Walhalla übrig und wollte niemals in die "marmorne Schädelstätte" aufgenommen werden.

Interior of the Neo-classical Walhalla hall of fame on the Danube. Bavaria, Germany

Marmor aus Italien, griechische Säulen, russische Köpfe: Als Ruhmeshalle der Deutschen hat die Walhalla in vielerlei Hinsicht europäische Dimensionen.

(Foto: Robert Hardin/Picture Alliance)

Die Frage, ob dieses Prozedere noch zeitgemäß ist, berührt auch den Wunsch, endlich einen Fußballer aufzunehmen. Die Kosten für die Büste, für die in der Regel die Vorschlagenden aufkommen müssen, wären bei hochdotierten Sportlern sicher kein Problem. Allerdings kommen Fußball-Kaiser wie Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus und selbst der 2003 gestorbene Löwen-Stürmer Rudi Brunnenmeier aus Satzungsgründen noch nicht infrage. Kandidaten für die Walhalla müssen mindestens 20 Jahre tot sein. Und sie sollten nicht so sehr im Sport, sondern eher in Politik, Sozialwesen, Wissenschaft oder Kunst Großes geleistet haben.

Ist die Walhalla ein Relikt?

Eine drängendere Frage ist, welche Relevanz ein Nationaldenkmal des 19. Jahrhunderts im 21. Jahrhundert hat. Hakt man nach bei Sepp Dürr, dem kulturpolitischen Sprecher der Landtagsgrünen, braucht man auf eine schneidige Antwort nicht lange zu warten. "Relikte wie die Walhalla haben sich überlebt", pulvert Dürr. "Das sind Konzepte, die der Jugend von heute nichts mehr sagen." Statt in der Walhalla einen Heldenkult zu betreiben, sollte man lieber moderne Konzepte entwickeln, um zu vermitteln, "wie wir mit Helden und Vorbildern künftig umgehen wollen".

Wie sehr die Menschen mittlerweile mit alten Denkmälern fremdeln, ist in München gut zu beobachten. Fragt man die Passanten, wer denn da alles in steinerner Form am Straßenrand steht, so herrscht meistens Schweigen. Kaum jemand kennt die alten Recken und ihre Heldentaten, was wiederum kein Wunder ist, da ja die Geschichte Bayerns in den Schulen so gut wie nicht mehr vermittelt wird. Und so schafft sich die junge Generation eben eine eigene Erinnerungskultur, indem sie etwa das Orlando-di-Lasso-Denkmal am Promenadeplatz in eine Michael-Jackson-Gedenkstätte umfunktioniert hat.

Eine solche Umwidmung ist in der Walhalla noch nicht denkbar. Faktisch hat der Freistaat Bayern den Bau 1918 mit dem Erbe der vom Thron gestürzten Wittelsbacher erworben. Damit trägt er auch die Baulast, die durchaus ins Gewicht fällt. Die letzte, 2013 abgeschlossene Sanierung, kostete immerhin 13,3 Millionen Euro. Rechtlich ist die Walhalla damit nicht deutsch, wie es Ludwig I. in seinem Testament bestimmt hatte, sondern bayerisch. Seitdem entscheiden die Bayern, wer ein herausragender Deutscher ist.

Walhalla und Parthenon

Die Walhalla in Donaustauf bei Regensburg ist ein herausragendes Zeugnis klassizistischer Architektur des 19. Jahrhunderts. Das Bauwerk gilt als eine der gelungensten Synthesen zwischen den traditionellen Gestaltungsformen der Antike und dem seinerzeitigen Stand der Bautechnik. Unter König Ludwig I. wurde die Walhalla von Hofbaumeister Leo von Klenze entworfen und von 1830 bis 1842 errichtet. Die Architektur ist nach dem Vorbild des Parthenon in Athen konzipiert. Der Name des Bauwerks wurde der germanischen Mythologie entlehnt und weist auf die Intention des Erbauers hin, nach dem Zerfall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation mit der Walhalla eine Identität stiftende Einrichtung zu schaffen. Öffnungszeiten: Oktober: 9 bis 16.45 Uhr; November bis März: 10 bis 11.45 und 13 bis 15.45 Uhr. Führungen: Telefon 09403/ 9 55 29 29 und 0941/ 5 07 44 10. sz

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