BurghausenWaldrappe müssen im Zugvogelunterricht nachsitzen

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So sollte es sein: Die Waldrappe fliegen einem Ultraleichtflugzeug auf dem Weg nach Spanien hinterher, um dort zu überwintern. Doch in diesem Jahr ist es etwas anders.
So sollte es sein: Die Waldrappe fliegen einem Ultraleichtflugzeug auf dem Weg nach Spanien hinterher, um dort zu überwintern. Doch in diesem Jahr ist es etwas anders. Gunnar Hartmann/dpa

Ein menschliches Team versucht, die seltenen Zugvögel per Kleinflugzeug zur saisonalen Migration nach Spanien zu führen. Doch die Tiere kehren immer wieder um.  Jetzt greift „Plan B“.

Von Matthias Köpf, Paterzell

Wer sich jetzt noch auf den weiten Weg von Bayern nach Spanien macht, hat wohl entweder späte Sommerferien oder muss sich um das ganze Ferien-Thema mangels Schulpflicht gar nicht kümmern. Aber warum eigentlich Spanien? Daheimbleiben wäre doch auch eine Option. Im oberbayerischen Alpenvorland zum Beispiel gibt es schöne Seen, saftige Wiesen und ausreichend Insektenlarven, Regenwürmer und andere wohlschmeckende Wirbellose.

Da kann man die eigene Zugvogel-Natur schon mal hintanstellen, obwohl sich diese Menschen so bemühen und einem sogar im motorisierten Gleitschirm voranfliegen wollen bis nach Andalusien. Doch dieser inzwischen 18. menschengeführte Waldrapp-Vogelzug hat vorerst nur bis Paterzell geführt: Die Waldrappe bleiben offenbar lieber erst mal da.

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Sie selbst machen sich sowieso nicht sehr viel aus ihrer Zugvogel-Natur. Vielleicht weil sie vor 400 Jahren schon mal ausgestorben sind oder vielmehr von den Menschen ausgerottet und aufgegessen worden waren. Und die paar Waldrappe, die seit 20 Jahren im oberbayerischen Burghausen und an einer Handvoll anderen Orten längs der Alpen wieder angesiedelt wurden, haben das mit dem Ansiedeln dann womöglich allzu wörtlich und ortsfest interpretiert. Jedenfalls versuchen ihre menschlichen Wiederansiedler seither, die Waldrappe wieder zu Zugvögeln zu machen und ihnen die Route vorzufliegen, bis es irgendwann wieder ausreichend erfahrene Altvögel gibt, die ihre Artgenossen selber anleiten können.

Alle miteinander hätten ja schon seit Juni geübt auf den Wiesen des Schröckenbauern bei Taching am See, wo das Waldrappteam seine Wohnwagenburg samt Waldrapp-Voliere aufgebaut hatte. Aber anscheinend haben die Vögel ihren Stoff noch nicht verinnerlicht, wohl wegen des lange Zeit recht schlechten Flugwetters. Als es vor einigen Tagen wirklich losgehen sollte nach Vejer de la Frontera in Andalusien, da drehten nach und nach immer mehr der insgesamt 29 Zugvogel-Azubis um und landeten wieder in Taching. Auch wenn die menschliche Ziehmutter unterm Gleitschirm noch so lockend durchs Megafon gesäuselt hat.

Die paar folgsameren Vögel folgten auch nur bis Rosenheim, sodass dann alle miteinander im Auto ans erste Etappenziel gefahren wurden, den 130 Kilometer Luftlinie von Taching entfernten Segelflugplatz Paterzell im Landkreis Weilheim-Schongau. Dort sitzt die Reisegesellschaft jetzt erst einmal fest, denn bei bisher allen fünf Abflügen zum nächsten Zwischenziel Kißlegg im Allgäu kehrten die Tiere spätestens nach ein paar Kilometern wieder zurück zum Start.

Jetzt greift das Waldrappteam nach eigenen Angaben zum „Plan B“, und der lautet: Erst noch mal üben über Paterzell, dann Spanien. Also doch eine Art Schulpflicht, Nachsitzen als Klassenausflug. Erfahrungsgemäß Anfang Oktober wird aber auch in Spanien das Wetter zu schlecht zum Weiterziehen. Wenn es die Waldrappe bis dahin nicht nach Andalusien schaffen, so greift Plan C. Dem zufolge müssten es die Tiere nur bis Katalonien bringen und dürften sich mit ein paar anderen Artgenossen dort niederlassen. Aber Spanien muss schon sein für richtige Zugvögel. 2500 Kilometer sind es noch hin.

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