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Waldkraiburg:Polizei stockt Sonderkommission auf

Waldkraiburg: Ein Zettel der Polizei, auf dem eine Belohnung für Hinweise für einen kürzlich erfolgten Brandanschlag gegen ein türkisches Lebensmittelgeschäft ausgewiesen ist, ist in einer eingeschlagenen Fensterscheibe eines Döner-Imbiss zu sehen.

Die eingeworfene Schaufensterscheibe eines türkischen Imbisses in Waldkraiburg.

(Foto: dpa)

50 Beamte ermitteln nun in der Anschlagsserie auf Geschäfte von türkischstämmigen Inhabern. Extremistische Motive sind nicht auszuschließen.

Von Florian Fuchs

Für die Ermittlungen zu womöglich extremistischen Anschlägen in Waldkraiburg hat die Polizei ihre Sonderkommission auf 50 Fahnder erweitert. In der oberbayerischen Stadt hat es jüngst vier Angriffe auf Betriebe von türkischstämmigen Inhabern gegeben: Steinwurfattacken gegen einen Friseursalon, eine Pizzeria und ein Kebaphaus sowie eine schwere Brandstiftung in einem Lebensmittelgeschäft.

Laut Polizeipräsidium Oberbayern Süd hängen die Taten offensichtlich zusammen. Ein extremistisches Tatmotiv könne nicht ausgeschlossen werden, die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bei der Generalstaatsanwaltschaft München leitet deshalb die Untersuchungen. Nun suchen die Ermittler einen Mann, der kurz vor dem Brandanschlag auf Videoüberwachung zu sehen ist.

Bislang hat die Sonderkommission 120 Spuren erfasst und eine Wohnung durchsucht, was jedoch zu keinen tatrelevanten Ergebnissen führte. Entgegen ersten Berichten wurden an den Tatorten keine Fäkalien verschmiert, sondern eine übel riechende Substanz, die in Zehn-Liter-Farbeimern transportiert wurde. Am Freitag machte sich unter anderem Cemal Bozoglu, Sprecher für Strategien gegen Rechtsextremismus der Grünen im Landtag, vor Ort ein Bild. Ein extremistisches Motiv hält er für wahrscheinlich: "Ich denke, das zielt auf türkische oder muslimische Bürger ab. Der oder die Täter müssen sich über ihre Opfer informiert haben."

Bozoglu fordert, den Ermittlungsdruck auf extremistische Strukturen in Bayern zu erhöhen. Die Grünen wollen einen Antrag für ein landesweites Opferschutzprogramm im Landtag einbringen. "Opfer brauchen nach solchen Taten Beratung und Unterstützung." Bislang gebe es Beratungsstellen nur in München und Nürnberg.

© SZ vom 09.05.2020/lfr
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