Gesundheit Japanische Tradition des Waldbadens soll nach Bayern kommen

Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Walderlebnisse die Stimmung aufhellen, Stress reduzieren, den Blutdruck senken und die Schlafqualität verbessern.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Denn die Aromen, die Bäume in die Luft abgeben, haben eine positive Wirkung auf Körper und Geist.

Von Dietrich Mittler

Der Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky ist wahrhaftig nicht zu den Romantikern zu zählen, doch auch er liebte den Wald. Und mehr noch, er wusste um dessen heilsame Wirkung. Einem alten Baum widmete Tucholsky einmal folgende Zeilen: "Er beruhigt. Er erinnert. Er setzt das sinnlos heraufgeschraubte Tempo herab, mit dem man unter großem Geklapper am Ort bleibt." Mittlerweile hat auch der Bayerische Heilbäder-Verband (BHV) den Wald für sich entdeckt. Jüngst startete er im oberbayerischen Bad Endorf sein neues Projekt "Wald und Gesundheit".

"Ziel ist es, Kur- und Heilwälder in bayerischen Kurorten einzurichten und sie in Verbindung mit den ortsgebundenen Heilmitteln für präventive und therapeutische Zwecke zu nutzen", sagte der BHV-Vorsitzende Klaus Holetschek am Dienstag. Die Nutzung des Waldes zur Gesundheitsvorsorge und zum Stressabbau hat in Japan Tradition. 1982 prägte Japans oberster Forstchef Akiyama Tomohide den in deutscher Übersetzung etwas missverständlichen Begriff des "Waldbadens" - oder wie er es nannte, des "Shinrinyoku". Das Wort Yoku, nachzulesen in Miki Sakamotos Buch "Eintauchen in den Wald", bedeutet indes nicht nur baden, "sondern meint auch heilen". Und beim Waldbaden springt man nicht etwa in einen Waldsee - was auch schön sein kann. Nein, es reicht, gemütlich durch den Wald zu schlendern, an schönen Stellen zu verweilen und dann seinen Weg fortzusetzen.

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Etliche Studien japanischer Forscher haben bereits Belege dafür geliefert, dass die Waldluft mit den von den Bäumen abgegebenen Aromastoffen tatsächlich eine heilsame Wirkung auf Körper und Seele hat, insbesondere bei Menschen, die unter Stress stehen. Der Heilbäderverband hat nun seinerseits bei der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) eine Studie in Auftrag gegeben. Diese soll die Kriterien für die Ausweisung eines Kur- und Heilwaldes herausarbeiten. Dabei geht es unter anderem darum, dafür den rechtlichen Rahmen zu definieren. Natürlich werde aber auch die Vermarktung der künftigen Angebote rund um die Ressource Wald ins Blickfeld gerückt. Angela Schuh, die stellvertretende Leiterin des LMU-Lehrstuhls für Public Health und Versorgungsforschung, hat auf diesem Gebiet reichlich Erfahrung. Bisherige internationale Studien, die sie ausgewertet hat, zeigten, dass Walderlebnisse die psychische Stimmung aufhellen, Stress reduzieren, den Blutdruck senken und die Schlafqualität verbessern.

Aber: "Es gibt auch rechtliche Aspekte und Nutzungseinschränkungen in Wäldern zu beachten. Und wir müssen die Unterscheidung zwischen Kurwald und Heilwald festlegen", sagt Schuh. Ein Kurwald diene in erster Linie zur Gesundheitsförderung und Prävention, sei aber nicht für therapeutische Anwendungen gedacht. "Ein Heilwald ist dagegen eher ein Behandlungsraum in freier Natur, der sich neben Prävention zusätzlich für Therapie und Rehabilitation eignet", betont Schuh. Japanischen Ärzten sind solche Ansätze vertraut. Der Internist Yoshinaga Tetsuo ist da einer der Vorreiter - und das aus einem Grund, der den BHV mit Stolz erfüllen dürfte: 1958 hatte Yoshinaga Tetsuo in Bad Wörishofen Sebastian Kneipps Heilmethoden kennengelernt. In ihm reifte der Gedanke, das Kneippen mit dem Waldbaden zu kombinieren. Auch der Biometeorologe Kamiyama Keizo fand, wie Miki Sakamoto schreibt, "seine Untersuchungen über die Wirkung der Waldluft in bester Übereinstimmung mit den Kneippkuren".

Wer bereits jetzt in Bayern zum "Waldbaden" gehen will, findet im Buchladen und im Internet zahlreiche Ratgeber. Wald wiederum gibt es ja in Bayern genug. Neuerdings lädt im Ebersberger Forst sogar ein ausgewiesener "Waldbadeweg" zur Erholung ein. Und was einem beim Shinrinyoku so alles Wundersame passieren kann, hat die Wahlbayerin Miki Sakamoto - Ehefrau des Zoologen, Evolutionsbiologen und Ökologen Josef H. Reichholf - in ihrem Buch beschrieben. Eines der Kapitel trägt die Überschrift "Mistkäfermeditationen".

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