Es ist erfreulich, dass Inge und Friedhelm Oriwol mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werden. Ihr Lebenswerk, das Walchensee-Museum, sucht seinesgleichen. Einen „Maßstab für modernes Mäzenatentum“, wie der bayerische Kunstminister Blume in seiner Laudatio sagte, setzt es aber nicht. Im Gegenteil: Es droht zu einem Mahnmal des privaten Scheiterns zu werden.
Keine Frage, Friedhelm Oriwol hat mit einer sagenhaften Leidenschaft eine einzigartige Sammlung zusammengetragen. Das Walchensee-Museum ist eine Schatzkiste, die zu funkeln beginnt, wenn der Hausherr seine Gäste durch die Räume führt und zu jeder kleinen und großen Errungenschaft eine Geschichte zu erzählen weiß. Dass ihm nun mit fast 93 Jahren dafür die Kräfte ausgehen, ist mehr als verständlich. Dass zuletzt nur noch wenige Gäste an der Kasse standen, ebenso.

Kunst, Kultur und Heimatkunde:Walchensee-Museum bleibt weiterhin geschlossen
Inge und Friedhelm Oriwol, Gründer des Walchensee-Museums, werden mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Doch ihr Lebenswerk ist in Gefahr.
Moderne Museen setzen auf didaktische Konzepte, leben von Interaktion, Abwechslung und Zusatzangeboten. All das gibt es nicht umsonst. Friedhelm und Inge Oriwol haben ihre Kraft und ihr Geld in das Museum gesteckt. Jetzt stehen sie im Hemd da, wie Inge Oriwol sagt.
„Orte der Erinnerung, der Schönheit und der Bildung“, um noch einmal Minister Blume zu zitieren, brauchen Menschen, die sie mit Liebe und Leben erfüllen. Sie brauchen aber auch Geld. Zu beklagen, dass „Kultur oft um Aufmerksamkeit ringen muss“, während in den Haushaltsentwürfen stets zuallererst bei der Kultur der Rotstift gezückt wird, ist scheinheilig. Das private Mäzenatentum zum Maßstab zu erheben, wäre fatal.

