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Landtagswahl:So wird in Bayern gewählt

Bayerische Wähler bei der Bundestagswahl 2013 in Schleching

Nein, in Bayern muss man keine Tracht tragen, um wählen zu dürfen - kann aber vorkommen.

(Foto: dpa)

Was hat es mit Erst- und Zweitstimme auf sich? Wer darf wählen - und wer regiert am Ende als Ministerpräsident? Eine kleine Anleitung zur bayerischen Landtagswahl.

Wer darf wählen?

Wählen darf, wer einen deutschen Pass hat, das 18. Lebensjahr vollendet und mindestens drei Monate lang seinen Hauptwohnsitz in Bayern hat. Bei der Wahl am 14. Oktober sind etwa 9,5 Millionen Bürger in Bayern aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Knapp 600 000 wählen zum ersten Mal.

Worum geht's?

Die Wahlberechtigten wählen einen neuen Landtag und damit ihre Volksvertreter im Parlament. Seit 2003 setzt sich das Parlament aus mindestens 180 Abgeordneten zusammen (zuvor waren es mindestens 204 Abgeordnete).

Wer wird mit der Erststimme gewählt?

Alle Regionen Bayerns sollen mit mindestens einem Abgeordneten im Parlament vertreten sein. Deswegen wählen die Bürger aus jedem Stimmkreis einen Kandidaten direkt in den Landtag - den sogenannten Direktkandidaten oder auch Stimmkreiskandidaten. Gewählt ist, wer die Mehrheit der Stimmen in einem Stimmkreis erhalten hat. Alle 91 Direktkandidaten erhalten einen Sitz im Parlament - sofern ihre Partei landesweit mindestens fünf Prozent der Stimmen erhalten hat.

Wer wird mit der Zweitstimme gewählt?

Die übrigen 89 Mandate im Landtag werden an Bewerber vergeben, die über Listen für den Landtag kandidieren. Die Parteien stellen für jeden der sieben Wahlkreise eine Liste mit ihren Listenkandidaten auf. Der Wähler kann nun entweder die Partei ankreuzen und somit die vorgegebene Liste mit Landtagskandidaten akzeptieren. Oder er kann eine Person auf der Liste direkt ankreuzen und sie so in der Reihung nach oben wählen.

Wer wählt den Ministerpräsidenten?

Die Abgeordneten im Landtag wählen den neuen Ministerpräsidenten und zwar innerhalb einer Woche nachdem der Landtag das erste Mal zusammengekommen ist (konstituierende Sitzung). Der Ministerpräsident wird in einer geheimen Abstimmung gewählt. Die absolute Mehrheit der Stimmen reicht. Erreicht keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang diese Mehrheit, findet eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen statt.

Wer kann Ministerpräsident werden?

Jeder wahlberechtigte Bayer, der mindestens 40 Jahre alt ist, kann gewählt werden. Ein Landtagsmandat ist nicht notwendig. Der Ministerpräsident beruft die Minister und Staatssekretäre in sein Kabinett.

Was bedeutet die Fünf-Prozent-Klausel?

Nur Parteien, die landesweit mindestens fünf Prozent der Wählerstimmen erhalten, dürfen ins Parlament einziehen. Kandidaten, die zwar einen Stimmkreis gewonnen haben, deren Partei aber weniger als fünf Prozent erreicht, erhalten kein Mandat. Der zweitplatzierte Kandidat des Stimmkreises erhält dann den Sitz im Landtag.

Wie errechnet sich die Sitzverteilung im Landtag?

Für die Sitzverteilung werden Erst- und Zweitstimmen zusammengezählt. Die Gesamtstimmen werden nach dem Grundsatz der Verhältniswahl in Mandate umgerechnet. Für jede Partei mit mindestens fünf Prozent der Stimmen wird für jeden Regierungsbezirk die Anzahl der Sitze im Landtag errechnet. Hat eine Partei in einem Wahlkreis 50 Prozent der Erst- und Zweitstimmen gewonnen, erhält sie die Hälfte der Sitze, die hier insgesamt zu vergeben sind.

Was sind Überhang- und Ausgleichsmandate?

Erhält eine Partei mehr Erststimmen und gewinnt damit mehr Mandate, als ihr nach dem Verhältnisausgleich nach Hare/Niemeyer zustehen würden, gehen die Sitze im Parlament nicht verloren. Sie werden als Überhangmandate vergeben. Um das Verhältnis zu wahren, erhalten die anderen Parteien nach einem bestimmten Rechenverfahren einen Ausgleich an Sitzen im Parlament - die sogenannten Ausgleichsmandate. Die Folge: Es sitzen mehr als 180 Abgeordnete im Parlament.

Wie wird Bayern in Wahlgebiete aufgeteilt?

Bayern besteht aus sieben Wahlkreisen, die identisch mit den sieben Regierungsbezirken sind. Die Wahlkreise werden in 91 Stimmkreise unterteilt. Jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt bilden in der Regel einen Stimmkreis.