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Trauerfeier in Waging am See:Viele haben Tränen in den Augen

Die katholische Pfarrkirche St. Martin ist eine freundliche Barockkirche, viele Schnörkel, viel Gold, ein Gotteshaus, gehalten in Weiß und Rosé. Vor dem Hochaltar haben sich die Fahnenträger der Vereine aufgereiht. Bis zum letzten Platz ist das Gotteshaus gefüllt. Teilweise warten sie seit Stunden hier. Und doch müssen viele stehen. Es ist still in der Kirche. Jedes kleine Gemurmel ist zu hören, jedes Seufzen, jedes Schneuzen. Die grüne Fraktionschefin Renate Künast betritt die Kirche. Jetzt atmet sie tief durch. Sie ist blass. Viele haben Tränen in den Augen.

Sichtlich gerührt spricht Grünen-Chefin Claudia Roth vor der Trauergemeinde.

(Foto: Rolf Pross, Bayerischer Landtag)

Auf dem Platz vor der Kirche tragen sich noch immer Menschen in das Kondolenzbuch ein. Andere stehen einfach auf dem Rasen, hören über die aufgestellten Lautsprecher den Reden der Politiker zu. Einige richten ihren leeren Blick in die Ferne, andere verbergen ihre Augen hinter großen, dunklen Sonnenbrillen.

Es ist eine schlichte Messe, und eine bewegende. Schnörkellos, so wie Sepp Daxenberger war. Kein melancholisches Ave Maria wird gespielt, keine Sologeige ertönt. Ein gemischter Chor eröffnet die Eucharistiefeier mit einem einfachen Choral. Die Orgel spielt dazu.

Im Zentrum des Gottesdienstes steht der achte Psalm. Es sind Worte, die Gott für seine Schöpfung preisen, die Natur, die Daxenberger immer so wichtig war. "Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere." Es klingt wie die Lebensphilosophie des Verstorbenen.

48 Jahre wurde Sepp Daxenberger alt, viele Menschen, gerade in der Politik, haben zu diesem Zeitpunkt den Höhepunkt ihres Wirkens noch nicht erreicht. "Kein Alter zum Sterben", sagt Prälat Lorenz Wolf in seiner Predigt. Und doch müsse man erkennen, "dass es weniger darauf ankommt wie alt ein Mensch wird, sondern was er für uns ist". Für Gott spiele "dieses Kriterium Alter" keine Rolle.

So wie Daxenberger ist auch die Trauermesse ein wenig unkonventionell. Nach der Predigt setzen die Trompeten mit einem wehmütigen, in Mollakkorden gehaltenen Stück ein, das sich zu einem fröhlich, beschwingten Volkstanz steigert. Die Trauergäste lauschen andächtig.

"Sepp, Du bist Bayern"

Selbst auf dem Platz vor der Kirche hören sie zu. In dem kleinen Café ist kaum ein Platz. Doch auch hier spricht keiner. Alle gucken sie in Richtung Kirche. Andere sitzen in ihren Wohnungen an den geöffneten Fenstern. Passanten bleiben stehen, viele junge Menschen sind darunter. Daxenberger hat die Jungen begeistert, für einige war er der Grund, sich politisch zu engagieren.

Seine Parteichefin Claudia Roth spricht mit belegter Stimme. Von einer "Tragödie, wie sie nur das Leben schreiben kann". Sie erinnert an Daxenbergers Kampf für die Natur, für eine "Heimat, die offen ist und einlädt". Sie spricht ihn direkt an in ihrer Rede. Ein Bauer, der pflanzt, damit Dinge wachsen können - in der Landwirtschaft und in der Politik. Ein Politiker, der ohne Feindbilder auskommt. Einer von hier. "Sepp, Du bist Bayern."

Auch Barbara Stamm, die Landtagspräsidentin, kämpft sichtlich darum, die Fassung zu bewahren. "Sepp Daxenberger war ein Mensch und Kollege, den ich gerne früher gekannt - und später verloren hätte", sagt sie. "Über die Jahre hinweg sind wir uns in gegenseitiger Achtung und enger menschlicher Verbundenheit begegnet."

Zwei Stunden dauert die Trauerfeier. Dann öffnen sich die Türen der Kirche, die Fahnenträger kommen heraus, gefolgt von den Ministranten, dem Pfarrer, den drei Söhnen. Sie führen den Trauerzug an, der durch die Marktgemeinde zum Friedhof führt - hier soll Sepp Daxenbergers Urne in den nächsten Tagen beigesetzt werden. Dann geht wieder jeder seiner Wege.

Was nachhallt an diesem Tag, ist das Versprechen von Claudia Roth: "Wir werden alles tun, dass deine Ziele Wirklichkeit werden", hat sie in der Kirche gesagt. "Dass die Welt ein besserer Ort ist."

Sepp Daxenberger ist tot

"Pfiat eich!"