bedeckt München 23°

Waging am See:Das Dilemma der Bauern

"Der Waginger See ist wie ein Thermometer, an dem man genau ablesen kann, wie viel Dünger in das Wasser kommt", sagt Ulrich Kühn von der Initiative "Rettet endlich den Waginger See". Eine Petition mit 6700 Unterschriften haben er und seine Mitstreiter im Oktober im Landtag abgegeben, in der sie ein Sofortprogramm für den See fordern. Halbherzige Versuche habe es genug gegeben, sagt Kühn, nun müsse die Staatsregierung handeln. "Es passiert viel zu wenig, letzten Endes nullkommanix." Gesetzliche Vorschriften für ausreichende Abstände zwischen gedüngten Feldern und Seezuflüssen wären ein Anfang, sagt Kühn. Doch eigentlich "muss ein Strukturwandel erfolgen, wenn wir den See retten wollen". Der müsse von der Politik kommen. "Unsere Bauern stecken in einem Dilemma, das ist das Grausame."

Es ist die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft, die das Grundwasser rund um den Waginger See und den See selbst belastet. Angesichts des Konkurrenzdrucks schafften viele kleine Bauern in den vergangenen Jahren mehr Kühe an, sie wirtschaften intensiver. Dazu kommt die immer schärfere Konkurrenz um Wiesen und Äcker mit den Biogas-Bauern. Rolf Oehler, Vize-Chef des Landwirtschaftsamtes in Traunstein, erklärt: "Wenn die Fläche sehr knapp ist, kann ich nur über die Intensität rentabel wirtschaften."

Einen Ausweg aus der Nitrat-Falle gibt es nicht

Das Traunsteiner Amt ist als ein Verfechter der intensiven Landwirtschaft bekannt - sogar im Landwirtschaftsministerium. Vize-Amtschef Oehler weist das zurück: Ihm und seinen Leuten gehe es einzig darum, was für den einzelnen Betrieb gut sei. Die Entscheidung träfen letztlich die Bauern. Einen Ausweg aus der Nitrat-Falle sieht Oehler nicht. Außer: "Man müsste den Anbau von Mais in Problemzonen verbieten. Hundert Prozent Dauergrünland, das Problem wäre gelöst. Aber dafür müsste man die Bauern auch entsprechend entschädigen."

Rupert Helminger aus Hörafing hat sich für eine intensive Bewirtschaftung entschieden. 55 Milchkühe stehen in seinem Stall, dazu noch einmal die gleiche Menge an Jungvieh. Sechs Mal im Jahr mäht er seine Wiesen, wenig später bringt er jeweils Gülle aus. Helminger gehört zu den Bauern, die ihr Agrarland in der Risikozone für das Grundwasser haben. Für das Umstellen auf Öko müsste er die Zahl seiner Kühe deutlich reduzieren, sagt er. "Extensiv wirtschaften bringt hier auch nicht gleich die heile Welt." Helminger betont aber, dass er sich für den Schutz des Grundwassers engagiere, so wie 80 Prozent der Bauern hier. "Wir haben eine freiwillige Vereinbarung unterschrieben und 60 Hektar Acker in Grünland umgewandelt."

Zu dieser Freiwilligkeit trägt einen entscheidenden Teil die Surgruppe bei, ein regionaler Wasserversorger, der vier Brunnen im Problemgebiet unterhält. Der Wasserversorger tut das, was Umweltschützer vom Staat fordern: Er zahlt den Bauern Geld, wenn sie grundwasserschonend wirtschaften. Fast 130 000 Euro waren es 2013, sagt Geschäftsleiter Franz Hasholzner. Trotzdem, so sagt Hasholzner, sei es "schon ein Erfolg, wenn wir den Stand jetzt einfrieren".

  • Themen in diesem Artikel: