Vorwurf: Sexueller Missbrauch Aus für Priester - was geschah im Internat?

Ein hochrangiger Geistlicher des Erzbistums Bamberg ist zurückgetreten. Der Priester soll in den 70ern und 80ern Knaben eines Internats sexuell missbraucht haben.

Ein hochrangiger Geistlicher des Erzbistums Bamberg ist am Mittwoch von seinem Amt als Leiter der Abteilung Pastorales Personal zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Priester wegen des Verdachts auf Missbrauch von Schutzbefohlenen.

Das Bistum wolle "offen und ehrlich" mit der Situation umgehen, kündigte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick an.

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Erzbischof Ludwig Schick hat den Rücktritt angenommen, sagte eine Bistumssprecherin in Bamberg. Da der 63-Jährige als Domkapitular auch Angestellter Bayerns sei, müsse nun der Freistaat entscheiden, ob der Mann das Amt verlassen muss.

Der Priester der Erzdiözese Bamberg soll über Jahre hinweg Jungen eines Internats sexuell missbraucht haben. Der inzwischen beurlaubte Domkapitular soll sich als Präfekt und Direktor eines Jungengymnasiums von 1976 bis 1991 an Schülern vergriffen haben, sagte der stellvertretende Pressesprecher der Erzdiözese, Michael Kleiner. Der Priester habe Schüler im Alter zwischen 10 und 20 Jahren in seiner Obhut gehabt.

Kleiner zufolge hatte sich im Herbst 2007 ein ehemaliger Internatsschüler an eine Vertrauensperson gewandt und von Missbrauch berichtet. Aufgrund seiner Schilderungen habe man aber zunächst keinen Handlungsbedarf gesehen. Erst als sich weitere Opfer meldeten, habe sich der Verdacht gegen den Geistlichen, der zum engeren Beraterstab des Erzbischofs zählte, erhärtet.

Die Angaben des Geistlichen zu den Vorwürfen hätten am 18. Juli dazu geführt, ihn sofort vom Dienst zu beurlauben. Er halte sich seither in einem Kloster auf.

Die Vorwürfe würden nun von einem 2002 eingerichteten Arbeitsstab zur Aufklärung von Missbrauchsfällen geprüft. Aus derzeitiger Sicht sei eine juristische Aufarbeitung aber wohl nicht mehr möglich, da die Vorfälle verjährt sein dürften, sagte Kleiner. "Aber selbstverständlich haben wir eine moralische Verantwortung und werden diesen Fall aufarbeiten und uns um die Opfer kümmern", betonte er.

Erzbischof Ludwig Schick kündigte Hilfen für die Betroffenen an. "Wir möchten heilen und wir möchten helfen", sagte Schick. Das Bistum wolle nun "offen und ehrlich" mit der Situation umgehen. Er sprach den Betroffenen sein Bedauern aus. Dies sei "eine sehr traurige Situation, die mich und uns auch sehr traurig macht", sagte er.