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Vorwurf des sexuellen Missbrauchs:Domkapitular unter Verdacht

"Unzüchtiges Berühren": Die Staatsanwaltschaft erfuhr erst aus der Zeitung von dem Verdacht gegen den Bamberger Domkapitular Otto M. Das Bistum rechtfertigt die Nicht-Anzeige.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Bamberger Domkapitular Otto M. eingeleitet. Der 63 Jahre alte Personalchef der Erzdiözese steht im Verdacht, in seiner Zeit als Präfekt und Direktor des Bamberger Internats Ottonianum mehrere Schüler sexuell bedrängt zu haben. Nach kircheninternen Ermittlungen wurde der Priester bereits am 18. Juli beurlaubt.

Das Bistumshaus Sankt Otto in Bamberg: Ein Missbrauchsfall erschüttert das Erzbistum.

(Foto: Foto: ddp)

Erst elf Tage danach erfuhr die Bamberger Staatsanwaltschaft von dem Verdacht - aus der Zeitung. "Es gibt keine Anzeigepflicht", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Joseph Düsel. "Es ist allerdings auch nicht verboten." Schließlich könne die Staatsanwaltschaft nur dann ermitteln, wenn sie Kenntnis von einem solchen Vorwurf erlange.

Das Erzbistum rechtfertigt die Nicht-Anzeige. Zwar legen die Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche eindeutig fest, bei erheblichen Verdachtsmomenten auch die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Dies allerdings nur, wenn die Fälle nicht bereits verjährt sind.

Ein von der kirchlichen Untersuchungskommission hinzugezogener externer Jurist sei zu dem Ergebnis gekommen, die angeschuldigten Taten seien "nicht mehr justiziabel". Deswegen sollte die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet werden.

Laut Ordinariat sollen mehrere ehemalige Internatsschüler ausgesagt haben, von M. sexuell belästigt worden zu sein. Es gehe dabei um "unzüchtiges Berühren", erklärt ein Bistumssprecher, "darunter wohl auch an heiklen Stellen". Andere ehemalige Schüler sollen das Verhalten des Internatspräfekten - "Streicheln" und "In-den-Arm-nehmen" - nicht als Grenzüberschreitung empfunden haben.

Otto M. arbeitete am Internat seit 1976, bis 1991 leitete er es. Danach wurde M. Dekan in Ansbach und Höchstadt, ehe er ins Bamberger Domkapitel eintrat. Aus diesen letzten Jahren sollen keine Übergriffe bekannt sein.

Der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, beteuert, das Bistum werde "alles dafür tun", um die vorgeworfenen Taten aufzuklären. Auch um potentielle Opfer werde man sich kümmern. Der Angeschuldigte hält sich momentan in einem Kloster auf, in dem Kirchenmänner in Krisensituationen betreut werden.

Man stehe am Anfang der Ermittlungen, sagt der Oberstaatsanwalt. Für sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen sieht das Gesetz eine Strafe von bis zu fünf Jahren Haft vor. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe trat der Domkapitular von seinem Amt zurück.