Vorwürfe gegen LKA-Beamte:Warum die Kriminalpolizei gegen LKA-Beamte ermittelt

Inzwischen ermittelt die Kriminalpolizei gegen sechs LKA-Beamte. Zwei davon sind Führungsbeamte, auch sie sollen gewusst haben, dass F. Straftaten begeht. Stimmt das so, hätten sie das den Kollegen von der Polizei melden müssen. Im Jargon der Branche heißt das: Legalitätsprinzip.

Warum die Kriminalpolizei mit Akribie gegen bayerische LKA-Beamte ermittelt, ist eine eigene Geschichte. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Der Aktenlage nach zu urteilen, müssen sich Kriminalbeamte und LKA-Leute gehörig in die Quere gekommen sein. Die Kripo-Beamten legen den LKA-Männern wohl zu Last, dass sie ihnen mit ihrer V-Mann-Wichtigtuerei ins Handwerk pfuschten. Dass sie Ermittlungserfolge verhinderten, weil sie den Spitzel warnten. LKA-Männer scheinen für Kripo-Beamte Schnösel aus München zu sein, die sich um provinziellen Drogen-Kleinkram einen Dreck scheren. Denen es wichtiger ist, ihren V-Mann, einen Berufskriminellen, bei Laune zu halten.

Nachdem F. in Haft war, fingen Kriminalpolizisten an, gegen Kollegen vom LKA zu ermitteln. Sie glauben inzwischen herausgefunden zu haben, dass LKA-Leute mindestens in einem erheblichen Fall genau wussten, dass F. maßgeblich am Diebstahl von Minibaggern in Dänemark beteiligt war. Trotzdem sollen LKA-Beamte geschwiegen und sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Polizei im Dunkeln darüber gelassen haben, wohl um ihren V-Mann zu schützen. Auch sollen sie, um das zu verschleiern, Akten bewusst und systematisch gefälscht haben.

Worum es bei den Ermittlungen geht

Noch sind es nur Ermittlungen, die gegen sechs LKA-Beamte geführt werden. Aber die Ermittlungsergebnisse sind äußerst präzise. Sie lassen die Prognose zu, dass die LKA-Leute gute Argumente finden müssen, um ihr Handeln in der Causa Minibagger zu erklären. Es geht um den Verdacht der Strafvereitelung im Amt. Im Landeskriminalamt kursierte in der Führungsebene ein Papier, demzufolge im Fall der gestohlenen Bagger "keine schlafenden Hunde" geweckt werden sollten. Auch werden LKA-Beamte ihre Aussagen im ersten Prozess gegen F. erklären müssen. Dass sie dort nicht ausschließlich die Wahrheit gesagt haben, steht zumindest deutlich im Raum. Falsche Zeugenaussagen, womöglich sogar abgesprochene, vor Gericht?

Das wäre keine Kleinigkeit. F. hat die Geschichte mit den Baggern immer schon so erzählt, wie es inzwischen auch die Kriminalpolizei rekonstruiert zu haben glaubt. Er habe sich für die Bandidos auf den Weg nach Dänemark gemacht, habe dort Bagger verfrachtet, alles mit Wissen des LKA. Er sei dann, nachdem er wegen eingebauter Sender in den Baggern festgenommen wurde, gleich wieder freigelassen worden. Obwohl die Beweise, dass er mit dem Diebstahl was zu tun gehabt hat, erdrückend gewesen seien.

Wer lügt da also, und wer sagt die Wahrheit? Vor allem aber: Stimmen womöglich auch andere Details, die F. über sein Leben als V-Mann seit Jahren erzählt, ohne dass ihm das einer glauben wollte oder gar irgendwo aufgeschrieben hätte? Sogar das mit der SPD und dem Papst?

Wer Mario F. ist

Mario F. wurde am 15. April 1967 in Köthen, Sachsen-Anhalt, geboren. Nach der Wende ließ er so ziemlich nichts aus, was man als mittelschwerer Krimineller so machen kann. Der Bundeszentralregisterauszug vom 6. Juni 2012 enthält 13 Einträge, vom fahrlässigen Vollrausch über Beihilfe zur Untreue, fortgesetzte gemeinschaftliche Hehlerei bis hin zum Betrug.

Nach einer Haft 2009 habe er sich gedacht, dass das alles nicht so weitergehen könne. Ein straffreies Leben war nun sein Ziel, und weil ihm ein LKA-Mann namens Tom geraten hatte, sich doch mal zu melden, machte er das. Er bekam dann zwei, wie man so sagt, V-Mann-Führer zugeteilt.

Nebenher musste er aber noch was anderes machen, also übernahm er einen abgehalfterten Club in Amberg. Eine Stange zum Tanzen hatte das Haus und Separees, aber "keine Genehmigung mit Zimmerbetrieb", klagt F., es war schwierig. Immerhin wurde er von Razzien verschont, er war ja jetzt V-Mann. Mitunter statteten ihm V-Mann-Führer einen Besuch ab in der Geschäftszeit, ohne jedoch, das betont F., mit Frauen aufs Zimmer zu verschwinden. Unterm Strich war sein Leben als V-Mann in dieser Zeit aber eher unergiebig. Als V-Mann war F. ein kleiner Fisch.

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