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Vor dem Wiederaufnahmeprozess:Was macht Mollath derzeit?

Der 56-Jährige bereitet sich akribisch auf sein Wiederaufnahmeverfahren vor. Ihm gehe es nicht allein um seine Freiheit, sondern um "vollständige Rehabilitierung", sagt er. Unmengen von Gerichts- und Psychiatrie-Akten zu seinem Fall hat er in drei Wohnungen von Bekannten gelagert.

Mollath betrachtet sich als "obdachlos, nicht aber ohne Obdach". Angebote von Fremden, die ihm eine feste Bleibe angeboten haben, hat er abgelehnt. Er glaubt sich "gut beraten, bei solchen Angeboten zurückhaltend zu sein". Menschen, die ihm viel geholfen haben in der Psychiatrie, besucht er persönlich: mal in Hamburg, mal in Oberbayern, immer "in einem alten Mercedes". Den hat ihm ein Freund geliehen.

Was wurde aus Mollaths persönlichen Habseligkeiten?

Seine persönliche Habe bewahrt die frühere Ehefrau von Gustl Mollath in mehreren Kisten auf. Erst vor wenigen Wochen hatte sie dies so kundgetan - zur allgemeinen Verblüffung, denn jahrelang rätselten Mollath und viele Medien über den Verbleib, ohne dass die Frau darauf reagiert hatte. Ob sie sich des Prozessbetrugs und der Unterschlagung schuldig gemacht hat, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth.

Ihr Anwalt sagte im Nordbayerischen Kurier, Mollath hätte sich ja "an seine Ex-Frau wenden können, ob sie etwas herausgibt". Abgeholt habe Mollath die Sachen - unter anderem Führerschein, Zeugnisse, alte Familienfotos - allerdings bis heute nicht. Nicht mal gemeldet habe er sich.

Mollath bestätigt das. Er argumentiert, seine Ex-Frau habe sich seine Habe "unrechtmäßig angeeignet", nachdem sie die Zwangsversteigerung seines Elternhauses betrieben habe. Also sei es "Sache der Behörden", dafür zu sorgen, dass er wenigstens diesen Teil seiner Habe wiederbekomme. Die fehlenden Dokumente führen offenbar zu skurrilen Situationen: Bei einer Verkehrskontrolle sollte Mollath eigenen Angaben zufolge kürzlich seinen Führerschein vorzeigen. Er habe die Polizisten an seine "Ex-Frau verwiesen", sagt er.

Wie geht es jetzt weiter vor Gericht?

Das Wiederaufnahmeverfahren am Landgericht Regensburg, das voraussichtlich im Frühjahr beginnen soll, wird höchst ungewöhnlich verlaufen. Denn dass Mollath dort freigesprochen wird, steht bereits vor Beginn des Prozesses fest. Dies bestätigen sowohl Landgericht als auch Staatsanwaltschaft.

Der Grund: Mollath wurde im Verfahren 2006 vom Vorwurf der Körperverletzung und Sachbeschädigung freigesprochen - wegen attestierter Schuldunfähigkeit. Die reformatio in peius, die Möglichkeit einer Verschlechterung, ist im Wiederaufnahmeverfahren nicht zulässig, dieses darf folglich nicht schlechter für ihn ausfallen: Mollath muss also erneut freigesprochen werden. Das Gericht könnte dennoch zur Auffassung kommen, dass Mollath die ihm zu Last gelegten Taten begangen hat.

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