Paradies und Ballermann

Elf Jahre lang wurde gebaut, damit die Isar in München wieder ein natürliches Gesicht bekommt (Foto: Florian Peljak). 2011 war es dann so weit. Zum ersten Mal seit mehr als hundert Jahren war der Fluss nicht mehr in ein kanalartiges Betonbett gezwängt. Seitdem können die Münchner die Isar wieder als Wildfluss erleben, und das mitten in der Millionenstadt. In die Renaturierung investierten der Freistaat und die Stadt München 35 Millionen Euro. Acht Kilometer lang - zwischen Großhesseloher Brücke und Deutschem Museum - fließt die Isar nun flach und breit dahin. Das Wechselspiel von Land und Wasser bringt auch wieder mehr Artenreichtum in die Stadt. Angeschwemmte Bäume dürfen liegen bleiben, unter ihren Ästen finden junge Fische Schutz. Mit jedem kleinen Hochwasser bilden sich Sand- und Kiesbänke neu. Genauso wie die Tiere haben sich auch die Städter den Fluss in kürzester Zeit zurückerobert. Sonnenanbeter, Partymacher und Grill-Liebhaber bevölkern das Freizeitgelände am Flaucher, das an heißen Tagen Tausende Münchner anzieht. Sie grillen teils an verbotenen Stellen und hinterlassen Abfallberge. Die Sommerbilanz des Jahres 2016: 150 Tonnen Müll an den Ufern, 240 000 Euro Kosten für die Beseitigung. Anwohner und Naturschützer beklagen "Ballermann-Verhältnisse", haben Petitionen gestartet, Anzeigen erstattet - mit wenig Erfolg.

Entgegen den Erwartungen stieg die Zahl der Polizeieinsätze in den Isarauen nicht unbedingt. Insgesamt hatte die Polizei im Sommer 2016 weniger Einsätze als im Jahr davor. Nur etwa 36 Mal rückte sie wegen Ruhestörung aus. Private Wachdienste meldeten nur 22 Verstöße wegen unerlaubten Grillens. Das heißt nicht, dass die Klagen der Anwohner aus der Luft gegriffen sind. Den Behörden fehlt aber bei Rauch- und Lärmbelästigung die Handhabe. Die Isarufer bleiben dem Partyvolk also vorerst erhalten.

Bild: Stephan Rumpf 7. August 2017, 15:282017-08-07 15:28:33 © SZ.de/mkro