Vom JU-Hallodri zum Finanzminister Kampf gegen die Modernisierung der Mainzelmännchen

Auffallen, das ist für den neuen Finanzminister von Anfang an wichtig. Ende November verkündete er, dass sich der Freistaat die Milliarden, die er zur Rettung der Landesbank 2008 hatte aufbringen müssen, zum Teil von den Sparkassen zurückholen werde. Vorgänger Fahrenschon hatte die Sparkassen geschont.

Söder änderte den Kurs. Er tat das ausgerechnet an dem Tag, an dem in Berlin die Sparkassenfunktionäre Fahrenschon zu ihrem neuen Präsidenten wählten. Das beförderte noch den Anschein, Fahrenschon habe seine Karriere mehr im Blick gehabt als die Interessen des Freistaates. Söder und Fahrenschon verstanden sich früher gut. Sie waren Gefährten. Aber an diesem Tag nahm Söder keine Rücksicht. Auch das gehört zum System Söder.

Söder braucht den großen Knalleffekt. Wahrscheinlich steckt das noch aus seiner Zeit als CSU-Generalsekretär in ihm. Den Streit um den Finanzausgleich hat er angeheizt - wenn Bayern nicht rasch von seiner Zahlungspflicht entlastet werde, dann werde Bayern die Überweisungen "einfrieren".

Wenn er droht, hört sich das so an: "Es gibt genau noch eine Runde des Redens - und dann wird geklagt." Großmäulig nennen manche in der CSU-Spitze Söder. SPD-Haushaltspolitiker Volkmar Halbleib aus dem Landtag spricht es aus: "Söder ist offensiver, plakativer und populistischer."

Seehofer lässt Söder machen. Der Franke war nicht seine erste Wahl für diesen Posten. Aber er hatte auch nach tagelanger Suche niemanden vom Fach gefunden. Dann musste seine Allzweckwaffe ran: Söder. Seehofer will "Kämpfer" in der Politik, "keine Kneifer". Und was große Ankündigungen angeht, macht niemand Seehofer etwas vor, auch nicht Söder. Den Plan, bis 2030 alle Schulden zu tilgen, hatte sich Seehofer einfallen lassen. Söder muss ihn umsetzen.

Ihm konnte dennoch nichts Besseres passieren als der Wechsel ins Finanzministerium. Wenn einmal Seehofers Erbe verteilt wird, dann kann ihn keiner übergehen. Söder ist in der Partei nicht sonderlich beliebt, das war er noch nie - auch zu Zeiten, als er noch den JU-Hallodri gab und die Modernisierung der Mainzelmännchen bekämpfte.

Aber er ist ein ausgeprägter Machtmensch, ein so gewiefter wie eiskalter Taktiker in eigener Sache. Er ist kein Guttenberg-Typ, den die Leute anhimmeln. Ihm wird nichts geschenkt. Söder muss sich Anerkennung hart erarbeiten. Und immer mehr Leute in der Partei respektieren ihn.

Söder führt nun eines der wichtigsten Ministerien. Er sitzt überall mit am Tisch, wenn es ums Geld geht. Er hat den Überflieger Karl-Theodor zu Guttenberg an sich vorbeiziehen und dann abstürzen gesehen, Konkurrentin Christine Haderthauer, die gerne Finanzministerin geworden wäre, hat er ausgestochen. Fahrenschon sucht andernorts sein Glück. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner ist weit weg. Und Söder ist im Vorzimmer der Macht angelangt - nur noch eine Tür, dann hat er es geschafft.