Herbstfest Rosenheim:Fluch der Attraktivität

Das Rosenheimer Herbstfest feiert dieses Jahr sein 150. Jubiläum. Vieles hat sich seit damals verändert, doch der Rummel ist nicht nur für die Einheimischen so attraktiv wie nie zuvor.

Heiner Effern

Für den alteingesessenen Rosenheimer ist eines selbstverständlich: Zum Ende der Sommerferien fährt er nicht in den Urlaub. Da können die Strände noch so leer sein und die Zimmerpreise noch so günstig - nichts lockt ihn dann über die nahen Alpen. Die Rosenheimer können um diese Zeit nicht wegfahren, weil sie aufs Herbstfest gehen. Das war schon so, als sie als Buben oder Mädchen eine Runde drehten.

Riesenrad beim Oktoberfest 2003

Mehr als nur ein "kleines Oktoberfest": das Rosenheimer Herbstfest.

(Foto: DDP)

Und das ist jetzt noch so, wenn sie sich mit Freunden auf der Wiesn verabreden. Oktoberfestkenner können ihren Puls gleich wieder entschleunigen, von einem Plagiat kann nicht die Rede sein: Auch in Rosenheim gibt es eine traditionelle Festwiese: Vor 150 Jahren, vom 15. bis 17. September 1861, fand auf der Loretowiese das erste Volksfest statt. Am Freitag hat, einen Tag früher wegen des Jubiläums, die Ausgabe 2011 mit einem Festzug begonnen.

Trotz Bonustages und Jubiläumsprogramms wird es auch diesmal sein wie immer: Die Gebirgler kommen in ihrer authentischen Tracht herunter, auch die jungen Dirndl und Burschen aus der Stadt und der Region holen seit einigen Jahren zum Wiesngang das traditionelle Festgewand aus dem Schrank. Die Stimmung ist gemütlich, weniger aufgeregt wie auf der großen Wiesn in München, Kinder können sich noch ohne Angst um ihr Leben alleine herumtreiben.

Und die Blasmusik dröhnt noch nicht so brachial, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Das spezielle Rosenheimer Gefühl manifestiert sich auch in den Biergärten. Dort soll einmal ein Preuße unter einer Linde geklagt haben, ein Vogel habe ihm ins Bier gemacht. Daraufhin antwortete ihm ein Eingeborener: "Sans froh, dass koa Kuah auf am Baum droben ghockt is."

Aber die Rosenheimer spüren von Jahr zu Jahr mehr, dass diese spezielle Atmosphäre sich selbst frisst: Immer mehr Besucher kommen von Südtirol bis Baden-Württemberg hierher, mehr als eine Million Besucher zählte der Veranstalter, der wirtschaftliche Verband der Stadt und des Landkreises Rosenheim, zuletzt. Und der Einheimische registriert, dass es immer schwieriger wird, überhaupt einen Sitzplatz zu bekommen, geschweige denn den Stammplatz.

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