Nach 30 Jahren ohne einen Fall in Deutschland treibt die Newcastle-Krankheit plötzlich wieder die Geflügelhalter in Bayern um. Das ist bemerkenswert, da seit den 1990er-Jahren eine strikte Impfpflicht besteht – und das gleichermaßen für landwirtschaftliche Massentierhaltungen wie für private Hobby-Geflügelhalter.
Der erste Fall wurde Ende Februar in Brandenburg gemeldet. Dieses Bundesland ist mit derzeit 26 Ausbrüchen am stärksten betroffen. Doch auch in Bayern wurden erste Infektionen erkannt: Sowohl in Oberbayern als auch Niederbayern mussten insgesamt 14 Betriebe ihren Bestand keulen. In ihrem Umkreis wurden Schutzzonen eingerichtet. Davon sind 280 geflügelhaltende Betriebe mit mehr als 400 000 Tieren betroffen. Sie werden genauer überprüft, damit das Virus rechtzeitig erkannt wird.
Das sagte der für Tierseuchen zuständige Referatsleiter des Umweltministeriums Ulrich Wehr am Donnerstag im Umweltausschuss des Landtags. Er stellte den Bericht zur aktuellen Situation in Bayern vor.
Erkranken an der Newcastle-Krankheit können Vögel wie Hühner und Puten. Als Symptome treten Atemstörungen und Durchfall auf, gefolgt von Lähmungserscheinungen und zentralnervösen Störungen. Die Erkrankung endet nach wenigen Tagen mit dem Tod. Für Menschen und weitere Haustiere stelle das Virus dagegen keine Gefahr dar, sagte der Experte.
„Wir haben es mit einem ganz atypischen Bild der Newcastle-Disease zu tun“, sagte Wehr. So verzeichneten die betroffenen Betriebe zwar Todesfälle, jedoch nicht in dem Ausmaß, wie es in der klassischen Fachliteratur beschrieben oder von früheren Ausbrüchen bekannt sei. Dennoch sei das Aufkommen der weltweit verbreiteten und leicht übertragbaren Infektion kein Einzelfall: Auch in Polen und Tschechien trete die Krankheit auf.
Wie es zu dem erneuten Ausbruch nach Jahrzehnten kommen konnte, werde derzeit untersucht, unter anderem von Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts. Im Fokus der Untersuchungen stünden die Herkunft der Tiere sowie die Frage, ob es personelle Überschneidungen oder gemeinsame Transporteure zwischen den betroffenen Betrieben gab. Zudem wird geprüft, welche Futterlieferanten tätig waren. Ein weiterer Analyseaspekt liegt auf den verwendeten Impfstoffen, die untersucht und mit den genetischen Merkmalen des aktuellen Virus abgeglichen werden sollen. Diese Prüfung ist auch deshalb relevant, da Wehr zufolge in allen betroffenen Betrieben die Tiere geimpft gewesen seien. Das Virus sei also trotz Impfung aufgetreten.
Bricht die Newcastle-Krankheit aus, wird eine Schutzzone von drei Kilometern Umkreis sowie eine Überwachungszone von zehn Kilometern um den infizierten Hof eingerichtet. Das sei besonders in Niederbayern wichtig, sagte Wehr, da es dort sehr viele Geflügelbetriebe gibt.
Wehr sprach im Ausschuss zudem von der Vogelgrippe, die sich in den vergangenen Jahren gewandelt habe. Von einer ehemals saisonalen Tierseuche habe sich nun das Virus H5N1 durchgesetzt, welches mittlerweile ein ganzjähriges Risiko in der Wildvogelpopulation und damit auch für die Geflügelhaltung darstelle.
Doch es sind nicht nur Vögel von Seuchen betroffen. Auch die Blauzungenkrankheit ist seit Oktober 2025 in Deutschland wieder akut. Anfällig für diese Erreger sind insbesondere Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen. Die erkrankten Tiere leiden unter Schwellungen im Kopfbereich und hohem Fieber. Während die Krankheit bei Rindern oftmals milder verläuft, zeichnen sich insbesondere bei Schafen hohe Mortalitätsraten ab. Laut Wehr sind aktuell in Bayern vier Betriebe betroffen, in ganz Deutschland sind es 44. Durch eine Schutzimpfung könnten Landwirte ihre Bestände gegen eine solche Infektion absichern.
Auch die Afrikanische Schweinepest fordert weiterhin Aufmerksamkeit. Nachdem sie sich seit vielen Jahren in Europa ausgebreitet hatte, erreichte sie im Jahr 2020 durch infizierte Wildschweine auch Deutschland. In Bayern gab es bisher noch keine Fälle. Um eine Einschleppung zu verhindern, wurde in Grenzgebieten Zäune aufgestellt. Diese Schutzkorridore sollen verhindern, dass Wildschweine nach Bayern zuwandern und so die heimischen Bestände sowie die Landwirtschaft schützen.
Eine große Debatte gab es nicht im Ausschuss zu dem Thema, der Vorsitzende Alexander Flierl (CSU) sieht Bayern jedoch gut vorbereitet. Dies sei insbesondere auf die umfangreiche Präventionsarbeit zurückzuführen, die beständig im Hintergrund laufe und von fundamentaler Bedeutung sei – auch wenn sie in der Öffentlichkeit oftmals nur geringe Aufmerksamkeit erfahre.



