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Verwandter von Bruno im Grenzgebiet:Normalbär im Anmarsch auf Bayern

Freundlich begrüßt wurde Braunbär Bruno vor sechs Jahren in Bayern - und schließlich im staatlichen Auftrag erschossen. Nun treibt sich erneut ein Bär im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet herum. Droht ihm nun ein ähnliches Schicksal wie seinem berühmten Verwandten?

Agnes Popp

Was war das für eine Aufregung, als sich im Sommer 2006 Braunbär Bruno ins bayerische Oberland verirrte: Bei der Einreise wurde er von Umweltminister Werner Schnappauf noch freundlich begrüßt:"Der Braunbär ist in Bayern willkommen." Als er danach aber Schafe riss und durch Ortschaften spazierte, handelte sich Bruno den Ruf eines Problembären ein - und wurde schließlich in staatlichem Auftrag erschossen.

Der letzte frei lebende bayerische Braunbär ausgestopft im Museum 'Mensch und Natur', 2006

Erschossen und ausgestopft: Braunbär Bruno im Münchner Museum Mensch und Natur.

(Foto: dpa)

Nun streift offenbar wieder mindestens ein Bär gefährlich nahe der bayerischen Grenze durch die österreichischen Alpen: In der Nacht auf Ostermontag wurde am Tiroler Reschenpass im Bezirk Landeck ein Braunbär gesichtet.

Möglicherweise ist das Tier ein alter Bekannter mit dem Kürzel M13. Zumindest hält das Martin Janovsky, Bärenmanager der Tiroler Landesregierung, für naheliegend: "M13 ist zuerst Richtung Norden gewandert und dann nach Westen. Es gibt hier nicht so viele Bären."

Hinter der Bezeichnung M13 verbirgt sich ein hundert Kilo schweres, zweijähriges Braunbärmännchen, das aus dem italienischen Trentino stammt. Dort müssen sich mehr als 30 Bären den Lebensraum teilen; es ist ihm also vermutlich zu eng geworden.

Im Schweizerischen Unterengadin hatte sich M13 am Karsamstag das letzte Mal gezeigt. Dort konnte man ihn aufgrund seiner Ohrmarke identifizieren. Bisher hat er in der Schweiz lediglich ein paar Bienenstöcke geplündert, deshalb hat man seinen Besuch dort gelassen genommen.

Ob M13 wie Bruno, der einst die Bezeichnung JJ1 trug, ebenfalls einen Namen bekommen wird, ist ungewiss. Auf die traurige Berühmtheit, die sein Artgenosse 2006 erlangt hat, kann M13 verzichten. Er bewegt sich lieber im Verborgenen: Im Januar 2012 verlor er sein Halsband mit dem GPS-Sender und geht seitdem die meiste Zeit unbemerkt seiner Wege.

Ein neues GPS anzubringen ist laut Bärenmanager Janovsky sehr aufwendig. Jetzt gelte es zunächst einmal, das Verhalten des Tiers zu beobachten und zu analysieren. Das Bozener Landesamt für Jagd und Fischerei hatte noch gewarnt: Der Bär zeige wenig Scheu vor Menschen.

Janovsky dagegen sagt: Der Tiroler Bär, mutmaßlich M13, verhalte sich natürlich und unauffällig. Dass er seine Route nach Bayern fortsetzt, hält Janovsky für möglich: "Für einen Bären sind selbst Autobahnen und Flüsse keine Hindernisse. Er ist sehr mobil."

Vorsorglich gibt er Entwarnung: "Man sollte das jetzt auf keinen Fall dramatisieren", rät er mit Blick auf Bayern, wo man auf das Thema Bären bisweilen "etwas nervös" reagiere. Bisher gebe es keine Anzeichen dafür, dass sich der Bär zur Gefahr entwickele. Man könnte es auch anders formulieren: Womöglich wäre der Grenzübertritt nach Bayern vor allem eine Gefahr für M13.

© SZ vom 12.04.2012/tob
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