Versuchten MordesFreund mit Auto angefahren? Prozess ausgesetzt

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Der Angeklagte kommt in den Gerichtssaal des Traunsteiner Landgerichts.
Der Angeklagte kommt in den Gerichtssaal des Traunsteiner Landgerichts. (Foto: Sabina Crisan/dpa)

Mann oder Reh? Ein junger Mann fährt seinen Freund an und lässt ihn verletzt auf der Straße liegen, um seine Alkoholfahrt zu vertuschen. So sah es die Staatsanwaltschaft und ging von versuchtem Mord aus. Der Mann will hingegen geglaubt haben, es sei ein Wildunfall gewesen.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Traunstein (dpa/lby) - Der Prozess am Landgericht Traunstein gegen einen jungen Mann wegen versuchten Mordes durch Fahrerflucht muss neu aufgerollt werden. Das Gericht setzte das Verfahren am Donnerstag aus. „Es geht um viel zu viel, um eine schnelle Entscheidung zu treffen“, begründete der Vorsitzende Richter Volker Ziegler die Entscheidung des Gerichts. Der 26 Jahre alte Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft einen Freund nach einem feuchtfröhlichen Fest im Juli vergangenen Jahres mit dem Auto angefahren und schwer verletzt liegen gelassen haben. Er selbst sagte, er habe an einen Wildunfall geglaubt.

Angesichts des schweren Tatvorwurfs, der Komplexität des Sachverhalts und der bisherigen Ausführungen der Sachverständigen sah das Gericht Anlass, ein weiteres Gutachten einzuholen. Dies wird voraussichtlich sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, begründete Ziegler. Die Verteidiger wollten keine Stellungnahme zu der Aussetzung des Verfahrens abgeben.

Der Angeklagte war zuletzt nicht mehr in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl war außer Vollzug gesetzt; nun wurde er aufgehoben. Dies sei unter Berücksichtigung der weiteren Verfahrensdauer auch geboten, sagte Ziegler, und zum Angeklagten gewandt: „Wir sehen uns irgendwann wieder.“ Wann der Prozess neu starten könnte, war zunächst offen.

Im Juli des vergangenen Jahres hatten der heute 26-Jährige und das spätere Opfer auf einem Fest in Ampfing (Landkreis Mühldorf am Inn) reichlich getrunken. Laut Staatsanwaltschaft setzte sich der junge Landwirt anschließend mit etwa eineinhalb Promille hinter das Steuer. Auf dem Heimweg soll er dem Anklagevorwurf zufolge seinen Freund angefahren haben, der zu Fuß unterwegs war. Der Freund wurde demnach gegen die Windschutzscheibe geschleudert und blieb schwer verletzt am Rand der Straße liegen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 26-Jährigen vor, er sei weitergefahren und habe keine Hilfe geleistet, um seine Alkoholfahrt zu vertuschen.

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe zum Prozessauftakt zurückgewiesen. Er ließ von seinem Verteidiger eine Erklärung vortragen, er habe einen Zusammenstoß wahrgenommen, aber gedacht, er habe ein Reh angefahren. Er sei ausgestiegen, habe aber kein Reh und auch keinen Menschen auf der Straße gesehen. Die zerschlagene Windschutzscheibe habe er für seine kaputte Brille gehalten. Der Angeklagte wurde von zahlreichen Familienangehörigen und Freunden bei der Verhandlung begleitet.

Das 24-jährige Opfer ist inzwischen genesen. Vor Gericht sagte der junge Mann, er sei dem Angeklagten nicht böse. Im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs wurden bereits 15.000 Euro gezahlt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bezog sich dies jedoch nur darauf, dass er den Freund angefahren und verletzt hatte. Er habe aber nicht die Verantwortung für das Zurücklassen des Unfallopfers übernommen, hieß es beim Prozess am Donnerstag.

© dpa-infocom, dpa:230629-99-228834/3

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