Verkehrspolitik:Streit um Parkhaus

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Der Parkplatz vor der Brücke (im Bild links) soll durch ein Parkhaus mit 650 Stellplatzen ersetzt werden.

(Foto: imago/Panthermedia)

In Lindau wollen die meisten Stadträte mehr Stellplätze, die Bunte Liste lehnt das ab. Entscheiden werden die Bürger

Von Florian Fuchs, Lindau

Im Grunde, so formuliert es Oberbürgermeister Gerhard Ecker (SPD), gibt es in Lindau zwei Jahreszeiten: einmal den Winter, und dann noch die Hochsaison zwischen April und September - also die Zeit, in der richtig etwas los ist. Und genau für diese Spitzenzeiten, da ist sich die Mehrheit des Stadtrats einig, braucht es Parkplätze: Wo sollen sonst all die Ausflügler und Tagestouristen ihre Autos hinstellen, wenn sie auf die Insel wollen? Weil nun aber wegen der anstehenden Landesgartenschau auf der sogenannten Hinteren Insel einige Parkplätze wegfallen, will der Stadtrat dies mit einem neuen Parkhaus auffangen, vor der Brücke, die vom Festland auf die Insel führt. Nun gibt es aber auch Gegner des Projekts: Die Lindauer werden deshalb in einem Bürgerentscheid am 10. November abstimmen müssen, ob es ein neues Parkhaus gibt.

Der Streit über das Projekt schwelt schon lange in der Stadt am Bodensee, in der sich in naher Zukunft einiges verändern wird. Die Deutsche Bahn baut auf dem Festland einen neuen Bahnhof für den Fernverkehr, wodurch am alten Bahnhof auf der Insel Flächen aufgelassen werden. Auch durch die anstehende Landesgartenschau wird ein Teil der Insel komplett umgestaltet: Es entstehen neue Grünflächen und langfristig auch neue Wohnungen. So fallen etwa 500 Parkplätze weg, die durch das mit 650 Stellmöglichkeiten geplante Parkhaus am Karl-Bever-Platz aufgefangen werden sollen.

Die örtliche Bunte Liste, die auch im Stadtrat vertreten ist, wehrt sich gegen dieses Vorhaben. Es sei überdimensioniert, sagt Stadtrat Matthias Kaiser, passe nicht mehr in die heutige Zeit und stehe für eine rückwärtsgewandte Verkehrspolitik. Die Bunte Liste will den Verkehr lieber draußen halten, vor den Toren Lindaus, etwa mit Park-and-ride-Plätzen an der Autobahn oder der Bundesstraße. Auch "Park & Ship" wäre ein Projekt, das Kaiser vorschwebt. Gerade werde geprüft, wie ein umweltfreundlicher Schiffsverkehr vom Festland auf die Insel gestaltet werden könne. Auf jeden Fall solle doch kommuniziert werden, "dass Lindau auch mit der Bahn gut zu erreichen" sei, sagt Kaiser. Vor allem mit der künftigen Zwei-Bahnhof-Lösung könnten Ausflügler auch gut ohne Auto auf die Insel kommen. Ein Parkhaus sei nur zu Spitzenzeiten ausgelastet und stehe sonst leer. Laut Kaiser wird es "ein Koloss": 20 Meter hoch, siebenstöckig und etwa 13 Millionen Euro teuer. Das Geld, finden die Vertreter der Bunten Liste, solle lieber in andere Verkehrsprojekte gesteckt werden. "In nachhaltigere Vorhaben", sagt Kaiser.

Über die Zahlen wundert sich Oberbürgermeister Ecker ein wenig, die Ausschreibung läuft gerade. "Was wirklich kommt, hängt von den Angeboten ab." Er findet aber, dass mit dem Parkhaus ein guter Plan aufgestellt worden sei. Auf der Insel gebe es 2500 Leute mit Hauptwohnsitz, dazu noch Nebenwohnsitze. Dann die Gastronomie, die Hotels, das Gewerbe. Park-and-ride sei schon sinnvoll, aber "die wollen alle bevorrechtigt sein, die wollen ihre Stellplätze". Ihm hätten für das Parkhaus vor den Toren der Insel auch 500 Parkplätze gereicht, aber die Mehrheit des Stadtrats befürworte eben 650 Stellplätze. "Das ist ja auch kein tiefgründiger Unterschied, deshalb bin ich relativ entspannt und finde das einen guten Kompromiss." Als die Fußgängerzone auf der Insel eingeführt worden sei, hätten auch einige gedacht, das sei der Untergang: Heute rede niemand mehr darüber. Vor zwei Jahren sei auf der Insel das neue Parkhaus neben der Inselhalle gebaut worden, mit 400 Stellplätzen. "Das wird hervorragend angenommen." Insofern sieht Oberbürgermeister Ecker dem Bürgerentscheid ebenfalls entspannt entgegen. Wichtig für Lindau sei, dass bei einem positiven Votum das Parkhaus im Jahr 2021 fertig gestellt sei: pünktlich zur Landesgartenschau.

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