Vergewaltigungen im Klinikum Bamberg:"Wir stehen vor einem absoluten Rätsel"

Von einer "sehr großen Zahl" von Datenträgern spricht der Leitende Oberstaatsanwalt Bardo Backert, einige der Datenträger seien geschützt, andere habe man bereits auswerten können. In manchen Fällen sind die Gesichter der Frauen erkennbar, in anderen nur die Geschlechtsorgane. Von vier Geschädigten ging die Staatsanwaltschaft nach vorläufiger Sichtung aus, tatsächlich aber könnte die Zahl "viel höher" liegen, sagt Backert. Dies zu ermitteln, brauche man nun Zeit.

Am Klinikum schildern andere leitende Mitarbeiter den Mediziner als sympathischen, wenn auch ehrgeizigen Mann, als einen, der "seine Abteilung nach vorn gebracht" habe, seit er sie übernommen hat. Das Zertifikat, mit dem er sich schmücke, sei nie unumstritten gewesen, wie das oft so ist mit den Auszeichnungen für die Kollegen.

Außerhalb der Regeldienstzeit

Aber Beschwerden, gar zotige Bemerkungen oder Anzüglichkeiten auf der Station? Unter den anderen Chefärzten sei davon nie etwas bekannt geworden. "Wir stehen vor einem absoluten Rätsel", sagt einer. Bei der Klinik meldeten sich inzwischen weitere Frauen, die befürchten, Opfer des Arztes geworden zu sein.

Von "einem gewissen Schock" spricht Klinikdirektor Pistorius und von einem Vertrauensbruch, der "natürlich die gesamte Klinik" betreffe. Man werde sich Gedanken machen, wie der Fall hätte verhindert werden können. Im Moment sei man aber ratlos: Der Chefarzt scheint seine angeblichen "Untersuchungen" weithin außerhalb der Regeldienstzeit terminiert zu haben, wenn keine Kollegen dabei waren.

Das Schmerzmittel sei für einen Chefarzt ohne weiteres zu haben. Und die "Studie" war bei der Klinik nicht angemeldet. Staatsanwalt Backert geht überhaupt davon aus, "dass diese Studie eine reine Schimäre ist", es habe sie wohl nie gegeben.

Nicht der erste Fall dieser Art in Bayern

"Tief betroffen" äußert sich Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) über die Vorwürfe. Ihr dürfte der Fall tatsächlich besonders nahe gehen, immerhin war die Medizinerin vor ihrer politischen Karriere am Bamberger Klinikum tätig. Huml betont aber, dass ihr Ministerium keine Dienstaufsicht über die Ärzte habe.

Es ist nicht der erste solche Fall in Bayern. 2009 hatte das Landgericht Amberg einen Anästhesisten, der sich an Mädchen vergangen hatte, zu einer Haftstrafe verurteilt. Der damals 49-jährige Oberarzt hatte seine minderjährigen Opfer zum Teil im Amberger Klinikum missbraucht und einige seiner Taten mit einer versteckten Kamera gefilmt. Die meisten seiner Opfer hatte er unter dem Vorwand in sein Büro ins Klinikum gelockt, eine Studie über "Reanimation durch Kinder" zu machen.

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