Der Chefarzt der Gefäßchirurgie am Klinikum in Bamberg soll sich an insgesamt zwölf Frauen sexuell vergangen haben. Zu diesem Ergebnis kommt die Staatsanwaltschaft, nachdem sie mehr als eine Million Bilder ausgewertet hat, die auf den Computern des 48-Jährigen sichergestellt worden waren. Demnach gehen die Ermittler inzwischen von 15 Einzelfällen von sexuellem Missbrauch widerstandsunfähiger Frauen aus, einzelne Frauen habe der Mann mehrmals missbraucht.
Der inzwischen entlassene Chefarzt hatte den Frauen erklärt, er arbeite an einer Studie über Beckenvenenleiden. In sämtlichen Fällen spritze er den vermeintlichen Probandinnen ohne Aufklärung und ohne Zustimmung der Frauen ein hoch dosiertes Beruhigungsmittel, soll sie danach missbraucht und dies fotografiert haben.
Vergewaltigungen im Klinikum Bamberg:Abgründe eines Chefarztes
Er soll die Frauen betäubt, missbraucht und dabei mehr als eine Million Fotos gemacht haben: Der Leiter der Gefäßchirurgie in Bamberg sitzt seit Mitte August in Untersuchungshaft. Seine Kollegen sind schockiert - und staunen über den Fall des angesehenen Mannes.
Zehn der Frauen im Alter zwischen 17 und 28 Jahren waren Patientinnen des beschuldigten Arztes, einige waren in stationärer, einige aber auch in ambulanter Behandlung. Zu den Übergriffen soll es außerhalb des üblichen Klinikbetriebs gekommen sein, vorwiegend am frühen Abend in den Räumlichkeiten des Chefarztes. Bei den anderen Frauen handelt es sich um eine Auszubildende sowie eine Studentin, die an der Klinik ein Praktikum machte.
Letztere hatte den Fall vor einem Monat aufgedeckt. Jedoch habe am Anfang der Ermittlungen nur ein "vager Tatverdacht wegen eines möglichen Kunstfehlers" bestanden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Bardo Backert. Die 26-jährige Frau hatte Anzeige erstattet, weil ihr anstelle eines angeblichen Kontrastmittels eine Substanz injiziert worden war, die eine massive Erinnerungslücke für den Zeitraum von etwa einer Stunde zur Folge hatte. Die anderen betroffenen Frauen hätten erst in den Vernehmungen erfahren, was ihnen in der Klinik widerfahren sei, sagte Backert.
Psychiatrisches Gutachten soll Schuldfähigkeit klären
Zehn der Fälle wertet die Staatsanwaltschaft als besonders schweren sexuellen Missbrauch, für den das Gesetz eine Mindeststrafe von jeweils zwei Jahren vorsieht. Auch ein weiterer, aber bereits verjährter Vorfall sei ermittelt worden sowie ein Fall, in dem eine Frau vom Arzt zwar betäubt worden, ein sexueller Missbrauch aber nicht feststellbar sei.
Insgesamt geht die Staatsanwaltschaft damit von 17 Einzelfällen aus. Der 48-Jährige bleibt in Untersuchungshaft. Ein psychiatrisches Gutachten soll nun klären, ob der Arzt in der Zeit zwischen 2008 und 2014 schuldfähig war. Anklage will die Staatsanwaltschaft noch im Herbst erheben.
