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Verfall der Maxhütte:Ein Schandfleck des Denkmalschutzes

Die Wirtschaft aber hat sich längst erholt, und so macht sich allmählich auch eine andere Betrachtungsweise breit: Die Maxhütte ist ein Monument der Industriekultur, vergleichbar mit der Völklinger Hütte, die inzwischen zum Unesco-Welterbe der Menschheit zählt. Seit 1999 wurden in dem ehemaligen Stahlwerk im Saarland 3,5 Millionen Besucher gezählt. In Sulzbach-Rosenberg dagegen schleichen sie sich nachts auf das Gelände, um Fotos zu machen oder das zu zerstören, was noch übrig ist. Manchmal gibt es auch legale Dreharbeiten: Das Video einer Rammstein-Coverband und andere Filmszenen entstanden hier.

Impressionen aus der Maxhütte

Ein Haufen Schrott, aber kein Schandfleck

Die Maxhütte ist tatsächlich ein Schandfleck, aber vieles spricht dafür, dass sie vor allem ein Schandfleck des Denkmalschutzes in Bayern ist. Der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete Heinz Donhauser fasst zusammen, was ohnehin jeder sehen kann: "Es hat sich zehn Jahre lang nichts getan." Donhauser gehört zu den wenigen Menschen, die nach der Stilllegung den Wert der Anlagen erkannt haben. Dass Burgen, Schlösser und Kirchen erhalten werden müssen, zählt zum Allgemeingut. Aber ein Hochofen aus den fünfziger Jahren? Eine Walzanlage? Ein Stahlwerk? Was soll das?

An Aufsätzen zur Bedeutung der Maxhütte herrscht kein Mangel. Denn als integriertes Hüttenwerk ist es einmalig in Europa. Schon 2003 wurden weite Teile unter Denkmalschutz gestellt: So auch die beiden gut hundert Jahre alten Dampfmaschinen, die bis zuletzt die Walzanlagen angetrieben haben. Die Ölkannen stehen noch daneben, als sei gerade Schichtwechsel gewesen. Pesold empfindet es fast als Beleidigung, wenn er gefragt wird, ob sie noch funktionieren: selbstverständlich.

Nirgendwo sonst ließe sich die Geschichte der Eisen- und Stahlerzeugung so gut studieren wie in der Oberpfalz. Sie ist mindestens so spannend wie die Genealogie der Wittelsbacher oder eine Besichtigung Neuschwansteins. Ohne die Maxhütte würde es in Bayern keine Eisenbahn geben: Die ersten Schienen wurden hier gewalzt.

Das Erz dafür holten Arbeiter aus Minen in der Umgebung, doch als 1987 auch die unrentable Grube Leonie in Auerbach schließen musste, war dies der Anfang vom Ende der Maxhütte. Sie hatte ihre Versorgung mit Rohstoffen verloren. Ein Hochofen in der bayerischen Provinz, fernab von Häfen und Wasserstraßen, war nicht konkurrenzfähig. Daran konnte auch die Übernahme durch den Freilassinger Unternehmer Max Aicher in den neunziger Jahren nichts ändern. Der Aicher-Gruppe gehören bis heute das benachbarte Rohrwerk - und die Hinterlassenschaft der Maxhütte.