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Verdacht des Subventionsbetrugs:Hermann-Schmid-Akademie schließt

Träger von fünf Augsburger Privatschulen stellt zum Schuljahresende den Betrieb ein

Von Maximilian Gerl, Augsburg

Die Hermann-Schmid-Akademie (HSA) in Augsburg wird ihren Betrieb einstellen. Laut übereinstimmenden Berichten von Medien und Betroffenen erfolgt die Schließung zum Schuljahresende. Für Anfragen der SZ war die Leitung der HSA trotz mehrmaliger Versuche am Freitag nicht erreichbar. Der private Bildungsträger, gegründet im Jahr 1988, betreibt in Augsburg fünf Schulen: eine Realschule, eine Wirtschaftsschule, zwei Berufsfachschulen sowie eine Technikerschule. Letztere warb noch im Januar mit einem Informationsabend um neue Schüler. Von der Schließung betroffen sind rund 550 Schüler und 80 Beschäftigte.

Die HSA hatte in den vergangenen Monaten immer wieder Schlagzeilen gemacht. So durchsuchten im November 2019 Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Geschäftsräume der Akademie und Wohnhäuser. Die Beamten ermittelten wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug: Nach ihrer Ansicht sollen die Verantwortlichen den Staat um Geld betrogen haben, indem sie mithilfe falscher Daten versuchten, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen, als der Akademie eigentlich zustünden. Die Ermittlungen hierzu dauern an. Im Januar 2020 trafen sich dann vor Gericht Betriebsräte der HSA mit der Prokuristin der Akademie. Die Lehrer hatten mit ihren Zweifeln an der Rechtmäßigkeit der staatlichen Zuschüsse die Ermittlungen ins Rollen gebracht, woraufhin ihnen außerordentlich gekündigt werden sollte. Ein Urteil steht noch aus. Der Richter sagte, er wolle abwarten, ob die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen den Verdacht des Subventionsbetrugs erhärten könnten. Schon da war klar: Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, könnte die HSA ihre Betriebsgenehmigung verlieren.

Örtlichen Medien nennt die Akademie am Freitag freilich einen anderen Grund für die geplante Schließung: Es gebe einen Personalmangel. "Aufgrund von ungerechtfertigten Vorwürfen ist der Ruf der Akademie beschädigt worden", zitiert die Augsburger Stadtzeitung die Prokuristin. Daher könne man auf dem angespannten Arbeitsmarkt nicht mehr ausreichend Lehrkräfte für einen qualitativ hochwertigen Schulbetrieb rekrutieren. Die Schüler sollen demnach zum neuen Schuljahr in den Augsburger Schulen anderer Träger unterkommen. Zudem seien in den kommenden Tagen Informationsveranstaltungen geplant.

Dennoch besteht die Möglichkeit, dass zumindest die fünf Schulen fortbestehen könnten - wenn auch in anderer Form und unter anderer Trägerschaft. So forderte die CSU-Fraktion im Augsburger Rathaus am Freitag "den Erwerb der Liegenschaft" durch die Stadt. Auf diese Weise könne "innerhalb kürzester Frist dringend benötigter Raum für die Augsburger Schullandschaft generiert werden, möglicherweise schon zum Start des Schuljahres 2021/22". Für den Erwerb und den weiteren Ausbau könnten Schlüsselzuweisungen des Freistaats genutzt werden. Die Stadt hat zudem bereits für die kommende Woche einen Pressetermin angekündigt, bei dem es auch um Perspektiven zur weiteren Nutzung der HSA-Schulen gehen soll.

© SZ vom 07.03.2020
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