Die Farben weiß und blau sind eh bayerisch, da musste Markus Söder nicht lange nach einer Parallele suchen. Und die Freiheit liegt den Bayern ebenfalls traditionell am Herzen. Söder ist nicht der erste Ministerpräsident, der meint, diese besonders engagiert verteidigen zu müssen, in Berlin zumeist. Bleibt also höchstens die Frage, warum Söder nicht schon viel früher als Braveheart zur Fastnacht in Franken gegangen ist, als schottischer Freiheitskämpfer William Wallace.
Am Freitag nun ist es soweit. „Wir Bayern lieben unsere Freiheit und Eigenständigkeit. Da sind wir wie die Schotten. Weiß-Blau verbindet“, schrieb er selbst als Kommentar in den sozialen Medien zu seiner Verkleidung. Der Rest bleibt Interpretation, es darf aber angenommen werden, dass Söder nichts dagegen hätte, würde er als ähnlich furchtlos und entschlossen charakterisiert wie sein Vorbild.

Franken-Fastnacht in Veitshöchheim:Die vielen Gesichter des Markus Söder
Bei der "Fastnacht in Franken" ist der CSU-Politiker schon als Homer Simpson, Shrek und Marilyn Monroe. Und heuer zottelig als Freiheitskämpfer. Bilder einer Verwandlung.
Ganz so hart wie einst die Schotten müssen die Bayern freilich nicht um ihre Freiheit kämpfen, sodass Söder nach einem vergnüglichen Abend in Veitshöchheim vermutlich auch nicht des Hochverrats angeklagt und hingerichtet wird wie einst William Wallace, sondern sich die weiße und blaue Farbe einfach wieder aus dem Gesicht waschen kann.
Für die Verkleidung hat Söder sogar den Bart geopfert, den er seit einiger Zeit trägt. Offenbar sehr zur Freude seiner Frau. Ihr gefalle ihr Mann ohne besser, sagt Karin Baumüller-Söder, die in ein grünes Samtgewand geschlüpft ist, „so wie früher“.
Söder macht traditionell ein großes Geheimnis um seine Verkleidung. Nach seinem Amtsantritt als Landesvater erschien er eine Weile im seriösen Smoking, aber das war ihm dann bald zu fad. Im vergangenen Jahr kam er als Elvis, da war er allerdings nicht der einzige, hätte der King of Rock'n'Roll doch 2025 seinen 90. Geburtstag gefeiert. Zwei Tage vor der Bundestagswahl ließ sich aber auch in Koteletten und Glitzerhose allerlei hineininterpretieren.

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Das große Schaulaufen auf dem roten Teppich gehört zur Fastnacht in Franken wie die Büttenreden, Garden und Gesangseinlagen. Längst betreibt nicht mehr nur Söder einen großen Aufwand für seine Verkleidung, auch andere Politikerinnen und Politiker bemühen sich um ein möglichst originelles Kostüm. Verständlich, immerhin ist die Sendung der Quotenhit im Bayerischen Fernsehen. Wer hier nicht derbleckt wird oder wenigstens deutlich im Bild erscheint, muss fürchten, nicht wichtig genug zu sein.
SPD-Fraktionschef Holger Grießhammer und seine Frau Nicole kommen ganz in Weiß oder eher in Eis, passend zu ihrer Herkunft aus dem Fichtelgebirge. Dort in Bayerns Norden ist es oft etwas kälter als anderswo im Freistaat. Wie sich der Eiskönig nun politisch interpretieren lässt, darauf geht Grießhammer auf dem roten Teppich allerdings nicht ein.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) hat seine Premiere in Veitshöchheim und verkörpert seinen Namensvetter Aloisius. „Ich lass mir von niemandem sagen, dass ich frohlocken soll“, erklärt Rainer und sieht da offenbar Parallelen zum Ungehorsam des berühmten Münchners im Himmel. Manna mag er auch nicht, er trinke lieber Bier.



Ann-Kathrin Bernreiter, die Ehefrau von Bauminister Christian Bernreiter, muss als Eiffelturm gehen, da er selbst Gustave Eiffel darstellt. Als Stahlbauingenieur sei das passend, als Bauminister sowieso. Sein Meisterstück habe er gleich mitgebracht.
Digitalminister Fabian Mehring (FW) trägt tapfer sein Bayern-Emoji auf einem Schild, den er als Ritter vor sich herträgt. Mit dem Löwen-Emoji ist er zwar grandios gescheitert, als er es als weltweit einheitliches Piktogramm etablieren wollte, aber für den Fasching reicht es allemal.


Ob Karl Lagerfeld und Anna Wintour ein Lob übrig gehabt hätten für das eine oder andere Outfit, wird nie jemand erfahren, doch ihre Doppelgänger sind am Freitagabend in Veitshöchheim anzutreffen. CSU-Generalsekretär Martin Huber und seine Frau Katrin kommen als Modeexperten.
Meerjungfrauen gibt es gleich mehrere an diesem Abend, Bundesforschungsministerin Dorothee Bär will auf die Meere aufmerksam machen und Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze präsentiert sich als Arielle. Als Krabbe Sebastian hat ihr Vize Johannes Becher das möglicherweise unpraktischste Kostüm des Abends an mit seinen überdimensionalen Scheren an den Händen.


Landtagspräsidentin Ilse Aigner kommt als Frauenkämpferin und macht auf die Initiative „Bavaria ruft“ aufmerksam, die Frauen zur Kandidatur bei Wahlen motivieren soll. Noch ist der Frauenanteil in Bayerns Parlamenten – auf Landes- wie auch auf kommunaler Ebene – erschreckend niedrig.

Eine Konstante in Veitshöchheim wie im bayerischen Kabinett ist Innenminister Joachim Herrmann: dienstältester Minister und mutmaßlich auch dienstältester schwarzer Sheriff im Fasching. Das verschafft immerhin seiner Frau Gerswid absolute Freiheit bei der Kostümwahl. Heuer geht sie als Schneemann.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt eifert seinem bayerischen Amtskollegen nach und erscheint als Lucky Luke. Die Waffe hat er allerdings daheim gelassen, in seinem Holster steckt eine Banane. „Unbewaffnet, aber wehrhaft“, nennt er das.
Rund um die Bühne bieten alljährlich etwa 100 Künstler, Tänzerinnen, Brauchtumsfiguren, das Orchester und der Elferrat ein unterhaltsames Programm. Hinter den Kulissen wirbeln zugleich an die 100 Beteiligte des BR und des Fränkischen Fastnacht-Verbands, dessen Prunksitzung die Show eigentlich ist. Im nächsten Jahr soll die 40. „Fastnacht in Franken“ ausgestrahlt werden.

