Fastnacht in FrankenFränkische Grantigkeit nimmt bayerische Politik auf die Schippe

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Volker Heißmann (links) und Martin Rassau, besser bekannt als Duo Waltraud und Mariechen, gehen durch die Reihen der Mainfrankensäle und treffen dabei auf Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (mit Fellmütze) und Holger Grießhammer, Fraktionschef der SPD-Landtagsfraktion (rechts).
Volker Heißmann (links) und Martin Rassau, besser bekannt als Duo Waltraud und Mariechen, gehen durch die Reihen der Mainfrankensäle und treffen dabei auf Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (mit Fellmütze) und Holger Grießhammer, Fraktionschef der SPD-Landtagsfraktion (rechts). Daniel Löb/dpa

Mond statt Schnellzug, Merz im Märchenwald und Söder in seinem Überbundesland Bayern – wenn die Narren in Veitshöchheim feiern, ist kein Politiker sicher vor ihren Frotzeleien. Das bringt im Bayerischen Rundfunk erneut Spitzenquoten.

Von Angelika Resenhoeft/dpa

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Versinkt die Welt in Chaos und Wahnsinn, treibt es die Narren nach Veitshöchheim. Heuer weniger, um Markus Söder, Hubert Aiwanger und Co. besonders derbe einen einzuschenken. Sondern vielmehr, um sich auf das Miteinander in Deutschland und Europa zu besinnen, von einer bayerischen Bundespräsidentin Ilse Aigner zu träumen und natürlich ab und an fränkisch zu frotzeln.

Bei der Kultsendung „Fastnacht in Franken“ darf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf der Suche nach Verbündeten durch den Märchenwald stapfen. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) reist per Rakete zum Mond, statt mit der Deutschen Bahn im Nirgendwo zu stranden. Und die Bayern dürfen darauf hoffen, als einziges von 16 Bundesländern übrigzubleiben, sollte Söders Traum von einem Überbundesland Bayern wahr werden.

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„Endlich ist wieder Fastnacht in Bella, Bella Frankonia. Hier fühl’ ich mich daheim“, stimmt die a-Capella-Band Viva Voce in einen turbulenten Frankenfasching im BR-Fernsehen ein. Fast vier Stunden lang heizen grandiose Tanzpaare, die famose Garde „Buchnesia“, meisterliche Büttenredner wie Peter Kuhn und Kabarettisten wie die „närrische Putzfraa“ Ines Procter den rund 600 Zuschauern in den Mainfrankensälen unweit von Würzburg ein.

Auch vor den Bildschirmen sind viele Menschen dabei. Durchschnittlich 2,9 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgen die Sendung, davon rund 1,8 Millionen in Bayern, wie der Bayerische Rundfunk (BR) mitteilte. Der Marktanteil lag demnach bei 45,4 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen sei die Prunksitzung die meistgesehene Sendung des Abends gewesen, hieß es. Die „Fastnacht in Franken“ ist nach BR-Angaben seit den 1990er-Jahren die erfolgreichste Sendung im BR Fernsehen.

Versammelter politischer Frohsinn: Bei der „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim waren mal mehr, mal weniger verkleidet Innenminister Joachim Herrmann (erste Reihe von links), Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Ministerpräsident Markus Söder nd seine Ehefrau Karin Baumüller-Söder.
Versammelter politischer Frohsinn: Bei der „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim waren mal mehr, mal weniger verkleidet Innenminister Joachim Herrmann (erste Reihe von links), Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Ministerpräsident Markus Söder nd seine Ehefrau Karin Baumüller-Söder. Daniel Löb/dpa

Traditionell wird der Politik beim Fasching der Spiegel vorgehalten. Lieblingsopfer der Närrinnen und Narrhallesen sind zumeist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und sein Stellvertreter Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Der Wirtschaftsminister stürzt sich als „Pelztierjäger“ oder „Trapper“ ins Faschingsgetümmel, angeblich mit echtem Biberfell.

Söder – bekannt für außergewöhnliche Verkleidungen – verkörpert den schottischen Widerstandskämpfer William Wallace. Die flotte Witwe Mariechen (Volker Heißmann) rät ihm, vorsichtig zu sein, schließlich sei „Braveheart“ irgendwann aufgehängt worden.

Für die Altneihauser Feierwehrkapell’n ist CSU-Chef Söder „wieder Kanzler zweite Wahl“. Den Kabinettsmitgliedern hält Kommandant Norbert Neugirg vor: „Minister mit und ohne Schimmer/jedes Jahr wird’s schlimmer./Und man glaubt es nie und nimmer/der Söder ist’s noch immer./Stabil für Bayerns Geschicke/wie eine Dresdner Elbe-Brücke.“

Franken-Fastnacht in Veitshöchheim
:Die vielen Gesichter des Markus Söder

Bei der "Fastnacht in Franken" ist der CSU-Politiker schon als Homer Simpson, Shrek und Marilyn Monroe. Und heuer zottelig als Freiheitskämpfer. Bilder einer Verwandlung.

Ein Wiesn-Hit im Frankenland

Bei Musikkabarettist Matthias Walz aus Unterfranken springt das Publikum von den Stühlen, als er den Wiesn-Hit „Sweet Caroline“ von Neil Diamond mit dem singenden CSU-Chef Söder einspielt. „Da hat einer das richtige Konzept – singen statt regieren“, konstatiert der selbst ernannte „böse Mann am Klavier“. Söder, vielfach kritisiert für derartige PR-Aktionen in sozialen Medien, dürfte Genugtuung empfinden – das Volk tobt bei der meistgesehenen Sendung im Bayerischen Fernsehen. Die Show ist die Prunksitzung des Fränkischen Fastnacht-Verbands.

Als Walz schließlich bei der Livesendung die „Großmachtfantasien“ des Landesvaters aus Nürnberg anspricht, der über die Fusion von Bundesländern nachdenkt, sehen auch die Feierwütigen im Saal Deutschland von weiß-blauen Rauten überzogen. „Bist du nicht Bayern, dann kommst du weg“, prophezeit Walz den „Länderfinanzausgleichsschmarotzern“. „Bayern, das wird niemals untergehen, euch andre brauch ma nicht.“

Beeindruckende Tänze auf der Bühne der Mainfrankensäle.
Beeindruckende Tänze auf der Bühne der Mainfrankensäle. Daniel Löb/dpa
Alleinunterhalter Matthias Walz an seinem Keyboard.
Alleinunterhalter Matthias Walz an seinem Keyboard. Daniel Löb/dpa
Die Altneihauser Feierwehrkapell'n tritt das letzte Mal auf.
Die Altneihauser Feierwehrkapell'n tritt das letzte Mal auf. Daniel Löb/dpa

US-Politik am Pranger

Ansonsten arbeiten sich die Beteiligten auf der liebevoll geschmückten Bühne vor allem am weltpolitischen Chaos mit seinen irrlichternden Figuren ab. „Die größten Märchenerzähler/frei heraus/sitzen im Kreml und im Weißen Haus“, reimt Märchenonkel Peter Kuhn im Sessel sitzend.

Vor allem an „Trumpel-Stilzchen“ in Washington lässt der wortgewaltige Büttenredner kein gutes Haar. „Heute back’ ich, morgen zoll’ ich/heute bock’ ich, morgen schmoll’ ich/übermorgen hol’ ich mir rasant/einen Diktator oder gleich ein ganzes Land./Ach wie gut/dass jeder weiß/dass ich auf Recht und Ordnung scheiß’.“ Anfang Januar hatten die USA unter US-Präsident Donald Trump bei einem Angriff auf Venezuela Staatschef Nicolás Maduro und dessen Ehefrau gefasst und außer Landes gebracht.

Emotional wird es schließlich, als sich die Altneihauser Feierwehrkapell’n aus dem Oberpfälzer Land zum 20. Mal ins fränkische Haifischbecken wagt. „Viele Jahre haben Sie uns die Sitzungen versaut“, blafft Sitzungspräsident Christoph Maul dem Chef der Kampftruppe, Neugirg, entgegen. „Auf Sie warten in der Oberpfalz wichtige Aufgaben. Zukünftig müssen Sie Wölfe abschrecken – akustisch und mit Ihren Ausdünstungen.“

Neugirg, der erwartbar gegen das Frankenland austeilt („Das Beste soll beim Frankenwein/bekanntlich ja die Flasche sein“), wird ungewöhnlich sentimental. „Adieu, sagt die Mannschaft und der Kommandant: Sie werden mir fehlen.“ Singend verspricht die Zwölf-Mann-Kompanie: „In Gedanken/sind wir in Franken/und wir sagen frank und frei./Wir war’n in Franken/20, 20 Jahre/herzlich gerne dabei.“

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