Nach Kritik am Familienunternehmerverband„Lehnen jedweden Austausch mit Vertretern der AfD ab“

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„Rückfall in nationalstaatliches Denken“: Bertram Brossardt, Geschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, möchte keinen Austausch mit AfD-Vertretern.
„Rückfall in nationalstaatliches Denken“: Bertram Brossardt, Geschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, möchte keinen Austausch mit AfD-Vertretern. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Der Verband der Familienunternehmer hat bei seinem Parlamentarischen Abend erstmals auch Vertreter der AfD eingeladen. In der bayerischen Wirtschaft werde es so etwas nicht geben, sagt VBW-Chef Bertram Brossardt.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) will ihre Brandmauer zur AfD nicht aufweichen. „Als Wirtschaftsverband setzen wir uns mit niemandem an den Tisch, der rechte Parolen propagiert und vom Verfassungsschutz beobachtet wird“, sagt Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Die VBW lehne „jedweden fachlichen und persönlichen Austausch mit Vertretern der AfD ab“. Dies sei in den Gremien des Verbands einstimmig verabschiedet worden „und an dieser Linie halten wir ohne Wenn und Aber fest“.

Man kenne die Positionen der AfD, sagt Brossardt. „Die Partei ist Gegner unseres international ausgerichteten Wirtschaftsmodells, auf dem unser Wohlstand beruht.“ Mit ihr drohe wirtschaftspolitisch „ein Rückfall in nationalstaatliches Denken sowie Propaganda gegen die EU und den Euro“. Zudem seien „die prorussischen Stellungnahmen namhafter Vertreter der Partei sowie die AfD-Vorstellungen zur Energie- und Sozialpolitik, zum Beispiel zur Rente, meilenweit von unseren Überzeugungen entfernt. Sie schaden der Wirtschaft und sind für uns inakzeptabel“.

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Grundsätzlich warnt Brossardt: „Das Wirken der AfD beschädigt den Standort Bayern und Deutschland. Polarisierung, rechte Gesinnung und die insgesamt verfehlte politische Schwerpunktsetzung schrecken ausländische Investoren und Fachkräfte ab.“

Der Verband der Familienunternehmer hatte jüngst für Aufsehen gesorgt, weil er zu seinem Parlamentarischen Abend im Oktober erstmals auch Vertreter der AfD eingeladen hatte. Die Präsidentin des Verbands, Marie-Christine Ostermann, hatte dem Handelsblatt gesagt, das „Kontaktverbot“ zu AfD-Bundestagsabgeordneten sei Anfang Oktober aufgehoben worden. Die Partei müsse inhaltlich gestellt werden.

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In einem Statement auf der Seite des Verbands der Familienunternehmer heißt es dazu: „Empörung allein hat sich als politische Strategie erschöpft.“ Die AfD wachse trotz Brandmauer. „Jetzt hilft nur noch die Auseinandersetzung mit den Inhalten der AfD, jenseits von schlichten Kategorisierungen in Gut und Böse.“

Dort heißt es allerdings auch: „Wir Familienunternehmer wollen keine Regierung mit AfD-Beteiligung.“ Das Weltbild der Partei passe nicht „zu unserer freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Grundüberzeugung“. Mit einem Andersdenkenden zu diskutieren, „heißt nicht seine Positionen zu akzeptieren. Reden heißt nicht zusammenarbeiten“.

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