Vor einiger Zeit ist in der Nachbarschaft ein alter Hippie aus den USA eingezogen, der drinnen Doors hört und draußen raucht. Neulich konstatierte er auf Englisch einigermaßen erstaunt: „Du hast anscheinend regelmäßige Arbeit!“ Auf die Entgegnung, ja, man arbeite als Journalist, wollte er nur wissen: „Are you left or are you right?“
Mein Gott, was soll man da jetzt drauf antworten? In einer neuen Studie geben 41 Prozent der befragten Journalisten an, dass sie mit den Grünen sympathisieren. Immerhin 23 Prozent rechnen sich aber keiner Partei zu, was der Selbsteinschätzung als moralisch schlampigem Liberalen entspricht, dem vieles wurscht ist, worüber sich andere entsetzlich aufregen. Fährt man als Journalist nach Niederbayern, wird man für eine linke SZ-Socke und einen Anti-Aiwanger-Aktivisten gehalten. Trifft man gelegentlich auf Menschen, die nicht aus dem Freistaat stammen, geht es gleich los: Ihr da unter mit eurem Söder und dem Aiwanger, herzliches Beileid!
Das sind die Momente, in denen man aus Gründen der Staatsräson darauf hinweist, dass der bayerische Ministerpräsident im Gegensatz zu anderen wenigstens über einen gesunden Appetit verfügt, den er gerne mit seinem Volk auf Instagram teilt. Und überhaupt: Ohne die katholische Kirche oder Franz Josef Strauß hätte es weder Gerhard Polt noch die Biermösl Blosn gegeben. Gibt es irgendwo auf dieser Welt einen Kabarettisten, dem auch nur eine einzige witzige Bemerkung zu Hendrik Wüst oder Daniel Günther einfällt? Oder gar zum evangelischen Kirchentag?
Aber erklär’ das mal mit deinem Schulenglisch einem Ami, der mit lauerndem Blick die nächste Frage hinterher schiebt: „Are you for Trump oder against Trump?“ Die Antwort fällt anscheinend zufriedenstellend aus, denn der Nachbar wirkt erleichtert. Er lobt nun die offensichtlich starke Berliner Zentralregierung. An der Stelle könnte man gerade als Bayer ein paar wichtige Einschränkungen machen. Aber um das deutsche System des Föderalismus unter Berücksichtigung der Ampelregierung und des Heizungsgesetzes zu erklären, reichen zehn Punkte im Englischabitur nicht aus. Hierfür bräuchte es schon einen Einser-Abschluss in Fachchinesisch.
„Ähm, yes, it’s difficult to explain“, oder so ähnlich lautet die Antwort. Aber er hält mich irrtümlicherweise für kompetent und will noch mehr wissen: „What do you think of Mörkel?“ Oh my god!

