Urteil Wenn der Bestatter Werbung auf dem Friedhof macht

Pietätvoll und diskrekt sollte eine Beerdigung sein.

(Foto: dpa)
  • Ein Bestattungsunternehmer schickte seine Mitarbeiter in Berchtesgaden mit Firmenwerbung am Hemdkragen auf den Friedhof.
  • Sein Konkurrent verklagte ihn deswegen und bekam vor dem Oberlandesgericht München recht.
Von Andreas Salch, Berchtesgaden/München

Eigentlich ist es ein Ort der Ruhe, der 1685 angelegte Alte Friedhof in Berchtesgaden. Von Efeu umrankte Mauern, knorrige Bäume. Neben der Franziskanerkirche liegen die Gräber alteingesessener Bürgerfamilien. Gleich am Eingang des Friedhofs befindet sich die letzte Ruhestätte von Anton Adner (1705 - 1822). Mit 117 Lebensjahren war er der bislang älteste Bayer.

Doch seit geraumer Zeit ist es mit dem Frieden auf dem altehrwürdigen Gottesacker nicht mehr weit her. Der Grund ist ein Streit, bei dem es um Werbung und Wettbewerb geht, präsentiert auf der Arbeitskleidung. Ausgetragen wird der Zwist von den Geschäftsführern zweier lokaler Bestattungsunternehmen.

Der eine ist ein alteingesessener, der andere kommt aus den neuen Bundesländern. Sogar der Zeitung im benachbarten Salzburg war die Fehde schon eine Geschichte wert: "Skurriler Streit unter Bestattern", titelte das Blatt im August. Am Donnerstag befassten sich nun die Richter des 29. Senats am Oberlandesgericht München mit der Causa.

Beerdigungen Wenn sich niemand um die Beerdigung kümmert
Bestattungen in München

Wenn sich niemand um die Beerdigung kümmert

Immer wieder passiert es, dass Menschen sterben und niemand die Bestattung organisiert. In solchen Fällen muss die Stadt einspringen. München hält dann sogar eine richtige Trauerfeier ab - auch wenn niemand daran teilnimmt.   Von Imke Plesch

Auslöser für die Auseinandersetzung zwischen den Bestattern ist ein kleiner, wenige Zentimeter großer Schriftzug auf den Hemdkragen der Mitarbeiter des Beerdigungsinstituts von Hans L., 52. Er lautet: "TrauerHilfe", darunter ist der Nachname von Hans L. und der seiner Lebensgefährtin zu lesen.

Hans L. erstattete Anzeige gegen seinen Kollegen

Im Juni dieses Jahres hatte L.s Mitbewerber beim Landgericht Traunstein eine einstweilige Verfügung erwirkt. Damit wurde dem 52-Jährigen untersagt, seine Mitarbeiter auf dem Alten Friedhof mit "Arbeitskleidung" auszustatten oder solche tragen zu lassen, wenn darauf der Schriftzug seiner Firma zu lesen ist. Bei Zuwiderhandlung drohte ihm ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro.

Hans L. wehrte sich und erstattete im Gegenzug Anzeige wegen Betrugs gegen seinen Kollegen. Denn der habe schließlich auf dem Alten Friedhof von Berchtesgaden das Tragen beschrifteter Hemdkragen 2010 eingeführt. Es wurde ihm allerdings verboten, seitdem hat er es bleiben lassen.

Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte der Streit unter den Bestattern Mitte dieses Jahres. Hans L. hatte den Auftrag erhalten, am 16. Juni eine Trauerfeier auf dem Alten Friedhof auszurichten. Dabei trugen er und einer seiner Mitarbeiter, ein Kreuzträger, weiße Oberhemden mit dem Schriftzug seiner Firma. Das ist nicht erlaubt, das ist in Paragraf 16 der Friedhofssatzung des Marktes Berchtesgaden geregelt. Darin heißt es, dass es verboten sei, auf der Begräbnisstätte "Reklame irgendwelcher Art zu treiben".