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Ursachensuche nach Seilbahndrama:Verunglückter Gleitschirm flog für den Bayerischen Rundfunk

Ermittlungen im Seilbahndrama: Der Gleitschirm, der am Freitag eine Gondel am Tegelberg lahmgelegt hat, war wohl für Filmaufnahmen unterwegs. Der Pilot flog im Tandem mit einem Reporter des Bayerischen Fernsehens.

Bei dem missglückten Gleitschirmflug am Tegelberg im Allgäu sind Dreharbeiten für einen Fernsehbericht des Bayerischen Rundfunks gemacht worden. Der zweite Insasse des Tandemflugs, der sich am Freitag im Tragseil der Tegelbergbahn verfangen und die Seilbahn damit lahmgelegt hatte, sei ein Fernsehreporter des Bayerischen Rundfunks, der "dort zum Arbeiten war", sagte Ulrich Pilgram aus der Redaktion Aktuelles auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd.

Gleitschirm kollidiert mit Bergbahn

Über der Tegelbergbahn hatte sich ein Gleitschirm so heftig in dem Tragseil der Gondeln verheddert, dass diese stillstanden und evakuiert werden mussten.

(Foto: dapd)

Welche Aufnahmen der Mitarbeiter machen sollte, konnte er nicht sagen. Auch wisse er nicht, ob die Dreharbeiten wie in der Regel üblich abgesegnet waren. Tandemflüge sind nach Aussage von Pilgram eine gute und problemlose Methode, um Luftaufnahmen zu filmen.

Am Freitagabend hatte sich ein Gleitschirmflieger am Tegelberg im Ostallgäu in den Seilen der Bergbahn verfangen und sie lahmgelegt. 20 Menschen mussten 18 Stunden lang bis Samstagmorgen gefangen in einer etwa zwölf Quadratmeter kleinen Kabine ausharren. Der Gleitschirm-Pilot und sein Mitflieger, ein Münchner Kameramann, wurden bei dem Unfall leicht verletzt.

Die Augsburger Allgemeine zitiert einen Augenzeugen, der am Freitagmittag am Tegelberg angekommen war und beobachtet haben will, dass dort ein Kamerateam Filmaufnahmen machte. Auch der Tandempartner des später verunglückten Gleitschirm-Piloten habe eine Kamera am Helm gehabt.

Die Ermittlungen der Polizei konzentrierten sich zunächst vor allem auf den 54 Jahre alten Gleitschirm-Piloten - wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr sowie wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Der Geschäftsführer der Tegelbergbahn, Franz Bucher, erhob schwere Vorwürfe gegen den Gleitschirmpiloten. "Der Mann hat grob fahrlässig gehandelt". Die Anlage wird jetzt auf mögliche Schäden überprüft. Daher bleibe die Bergbahn vorerst geschlossen, sagte Bucher. Sollte das Stahlseil ausgewechselt werden müssen, drohe der Bahn ein Stillstand von bis zu zwei Monaten.

Nachts in der Gondel

19 der Eingeschlossenen waren Touristen - der älteste 75, der jüngste vier Jahre alt. Auch der Gondelführer verbrachte die Nacht 100 Meter über einem Steilhang. Rettungskräfte versorgten die Eingeschlossenen mit wärmenden Overalls, Essen und heißen Getränken. Erst im Morgengrauen konnte mit der Bergung per Hubschrauber begonnen werden. Alle 20 Insassen blieben unverletzt.

Die ganze Nacht über waren viele Helfer präsent, unter anderem auch von der Bergwacht Allgäu. Zwei Notärzte hielten sich bereit. Einer von ihnen war die ganze Nacht auf einem Stützpfeiler der Bergbahn, um sich im Notfall möglichst schnell zur Gondel vorarbeiten zu können. Aus einer zweiten Seilbahn-Gondel hatten die Helfer am Freitagabend 30 Menschen abseilen können. Für die höhere Gondel jedoch war das windige Wetter zu gefährlich, so dass es zu der Notsituation gekommen war.

Der Gondelunfall nahe dem Schloss Neuschwanstein erinnert an frühere Unglücke mit Seilbahnen. In vielen, aber nicht in allen Fällen, hatten die Menschen Glück im Unglück. Im bayerischen Lenggries etwa mussten im vergangenen Jahr 43 Menschen bis zu zweieinhalb Stunden in den kleinen Gondeln einer Seilbahn ausharren - Ursache war ein Mechanik-Fehler, der zu einer Notabschaltung führte. Bei der Rettungsaktion warem mehrere Hubschrauber im Einsatz.

Im September 2009 verlor im Gletscherskigebiet von Sölden ein Transporthubschrauber über einer Gondelbahn einen etwa 700 Kilogramm schweren Betonkübel. Der Kübel prallt auf ein Gondelseil, die Gondel stürzt ab. Neun Skifahrer aus Deutschland starben.

© sueddeutschte.de/dpa/fran/liv/aho
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