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Unwetter in Bayern:"Da ist schon die Kinderschaukel in die Scheibe eingeschlagen"

Vincenzo Sarcone ist ebenfalls überzeugt, Opfer eines Tornados zu sein. "Da oben in der Wiese liegt ein Audi A6, der stand gestern noch hier in der Straße." Wenige Meter weiter steht ein Kleintransporter. Totalschaden. "Der lag auf dem Dach", sagt Sarcone. Der Tornado sei aus dem Nichts gekommen. "Wir haben Fußball geschaut, es war zehn Minuten vor Schluss", erzählt der 30-jährige Vater zweier Söhne. "Auf einmal fing es an zu regnen, dann kam ein starker Wind." Er habe die Jalousien hochgefahren, um rauszuschauen. "Da ist schon die Kinderschaukel in die Scheibe eingeschlagen." Das Ganze habe nur eine Viertelstunde gedauert.

Es war eine lange Viertelstunde. "Wir haben keinen Keller, ich habe mich nur auf meinen Sohn geworfen, um ihn zu schützen." Als alles vorbei war, fuhren sie zu seinen Schwiegereltern ins Nachbardorf. Dort werden sie die nächste Zeit Unterschlupf finden. Und langfristig? "Wir wissen es nicht." Das Haus muss womöglich abgerissen werden.

Im Chaos der Aufräumarbeiten

Unten, im alten Ortskern von Affing, der etwa 300 Meter entfernt und etwas tiefer liegt, gibt es keine Schäden. Der Kirchturm und der Maibaum sind absolut unversehrt. Oben, im Chaos der Aufräumarbeiten, laufen Mädchen umher. In Kisten bieten sie Semmeln und Obst an. Ein Lkw nach dem anderen fährt heran, um den Schutt wegzukarren. Das Landratsamt bittet per Pressemitteilung um freiwillige Helfer. Sie sollen mit Handschuhen zum Sportplatz kommen. Bürgermeister Markus Winklhofer hat die Nacht durchgewacht. Mit signalroter Weste und bleichem Gesicht lobt er den Zusammenhalt der Leute und die Organisation des Landratsamtes und der Hilfsorganisationen. Obwohl Feiertag ist, haben die Helfer in Baumärkten Abdeckfolien organisiert. "Wir hoffen, dass das Material reicht - und die Zeit", sagt Landrat Metzger.

Der Sturm zog nach Oberbayern weiter und richtet auch dort massive Schäden an: In Neufahrn (Kreis Freising) stürzte ein Baukran auf das Dach eines Hauses. Sein 25 Meter langer Ausleger fiel auf die Straße und beschädigte mehrere Autos. Geschätzter Schaden: 200 000 Euro. In den Kreisen Fürstenfeldbruck und Dachau gab es Verkehrsbehinderungen wegen umgestürzter Bäume. Menschen wurden nicht verletzt.

Wie hoch der Schaden in Affing ist, war am Donnerstag noch nicht absehbar. "Man sieht so was immer nur im Fernsehen aus den USA", sagt Vincenzo Sarcone. "Wahnsinn, dass das bei uns möglich ist, das wird immer mehr." In Affing wird so schnell keiner mehr am Klimawandel zweifeln.

© SZ vom 15.05.2015/sim
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