Unterjoch im Allgäu Zwergschule muss schließen

Die Zwergschule in Unterjoch im Allgäu.

(Foto: oh)

100 Kurven und die höchste Bundesstraße Bayerns: Die Grundschüler von Unterjoch müssen sich auf einen beschwerlichen Schulweg einstellen. Nur fünf Kinder haben sich für das neue Schuljahr angemeldet - das sind selbst für eine Zwergschule zu wenig. Die Alternativen sind überschaubar.

Von Tina Baier

Ines Landerer steht vor Saal zwei im Bayerischen Landtag, hält ihre kleine Tochter Sophia im Arm und kämpft mit den Tränen. Seit fünf Minuten ist klar, dass in der Grundschule ihres Heimatorts, dem Allgäuer Gebirgsdorf Unterjoch, keine Kinder mehr unterrichtet werden dürfen. Die CSU-Mitglieder des Bildungsausschusses stimmten am Donnerstag geschlossen gegen eine Petition der Unterjocher, die Schule trotz Schülermangels zu erhalten. Die Opposition hatte gegen die CSU-Mehrheit im Bildungsausschuss keine Chance.

Die Schule in Unterjoch war die letzte Grundschule in Bayern, in der Kinder von der ersten bis zur vierten Jahrgangsstufe gemeinsam in einer Klasse unterrichtet worden sind. Doch für das nächste Schuljahr haben sich nur noch fünf Schüler angemeldet. Dazu komme, dass die Bestandsgarantie, die Ministerpräsident Horst Seehofer für rechtlich selbständige Grundschulen gegeben habe, für Unterjoch nicht gelte, sagte Staatssekretär Georg Eisenreich. Die Schule sei nämlich lediglich eine Außenstelle der Grundschule Bad Hindelang.

Zweimal täglich mit dem Bus über den Jochpass

Wo die Kinder aus Unterjoch kommendes Jahr zur Schule gehen werden, ist jetzt völlig unklar. Organisatorisch gehören sie in den Sprengel von Bad Hindelang. Doch um dorthin zu kommen, müssten sie zweimal täglich mit dem Bus über den Jochpass fahren. Das ist die höchstgelegene Bundesstraße Bayerns mit knapp hundert Kurven. "Im Winter ist der Jochpass gefährlich, außerdem wird vielen Kindern von den Kurven schlecht", sagte Elternsprecher Herbert Landerer. "Bad Hindelang kommt für uns nicht in Frage."

Die andere Möglichkeit, die die Eltern haben, ist, einen Gastschulantrag im acht Kilometer entfernten Wertach zu stellen. Allerdings gibt es von Unterjoch nach Wertach keine Busverbindung. "Es ist unglaublich, wie eiskalt die Damen und Herren der Regierungsfraktion hier agieren", sagte Martin Güll (SPD), Vorsitzender des Bildungsausschusses. "Die sechs- und siebenjährigen Kinder werden in Zukunft morgens früh bei Nacht und Nebel, im Winter bei Schnee und Eis auf eine lange und beschwerliche Schulbus-Reise über eine kurvige Bergstraße ins Tal nach Bad Hindelang geschickt."

"Wer den Bürgern verspricht, solche und noch kleinere Schulen aufrecht zu erhalten, verliert jede Seriosität in Fragen der Bildungsfinanzierung", sagte Gerhard Waschler (CSU), stellvertretender Vorsitzender des Bildungsausschusses. "Es wird furchtbar ruhig werden in Unterjoch", sagt Ines Landerer.