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Unterhaltungsbranche:Künstler mit Kampfgeist

(Foto: Marco Einfeldt, Franz Xaver Fuchs, Sebastian Gabriel, Niels P. Jørgensen, oh)

140 Musiker und Komiker sowie fast 200 Dienstleister aus Bayern haben sich in einem dramatischen Appell an Ministerpräsident Markus Söder gewandt

Von Michael Zirnstein

Die Menschen würden live dargebotene Unterhaltung bald sehr brauchen, sagt Hannes Ringlstetter (links). Er meint auch sich selbst. Der Musiker und Kabarettist würde, statt seine Terrasse herzurichten, so gerne wieder Konzerte spielen wie das zu seinem 30-jährigen Bühnenschaffen im Circus Krone, aber wegen der Ansteckungsgefahr darf er nicht. In der Corona-Pandemie steht die ganze Unterhaltungsbranche still - und zum Teil vor dem Ruin. 140 Musiker und Komiker und fast 200 Dienstleister haben sich daher in einem dramatischen Appell an Ministerpräsident Markus Söder gewandt: "Bühnen und Clubs wurden als Erste geschlossen. Sie werden zu den Letzten gehören, die wieder für Publikum öffnen dürfen", steht in dem von Bernd Schweinar, dem Geschäftsführer des Verbandes für Popkultur in Bayern, initiierten Brief. Er zeigt eine düstere Zukunftsvision für die bayerische Entertainment-Infrastruktur: "Diese Kulturplattformen werden diese Pandemie nicht überstehen!" Tausende Arbeitsplätze seien in Gefahr, daher fordert der Verband einen Kultur-Rettungsschirm, bis wieder Publikum gefahrlos Veranstaltungen besuchen kann. Unterzeichnet haben Clubs wie das gerade von Bayern prämierte Boogaloo in Pfarrkirchen, Plattenfirmen wie die von Hubert Goisern, Blanko Musik aus München, sowie Konzertagenturen wie Hello Concerts aus Augsburg von Haindling und Münchener Freiheit. Namhafte Künstler kämpfen mit wie Frank Markus Barwasser alias Erwin Pelzig (unten rechts), Spider Murphy Gang (oben rechts), Wellküren (unten Mitte) und Luise Kinseher (oben Mitte). Auch Ringlstetter ist dabei, wobei er betont, dass es nicht um "Fernsehnasen" wie ihn gehe, die schon irgendwie durchkämen. Er sorgt sich um die weniger bekannten Kollegen und seine Techniker und Band-Musiker, die unter der Auftragsflaute leiden. Er fordert vom Freistaat nicht nur finanzielle Sicherheit für sie, sondern auch eine Kultur-Perspektive für die Gesellschaft. Sonst zehre das Virus "die Moral und Energie" aller auf, sagt Ringlstetter. "Und wenn irgendwann emotional und finanziell zerschossene Typen auf die Bühne zurückkommen, dann viel Spaß."

© SZ vom 29.04.2020
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