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Unter Bayern:Wunderland der Zahlen

Warnung an die Abiturienten: Im Freistaat geht so manche Rechnung nicht auf. Mathematische Gesetze gelten nach Bedarf, nur eine Formel greift immer

Mathematik, liebe Kinder, ist für echte Bayern schwierig. Seid also vorsichtig, wenn Ihr am Freitag Eure Mathe-Abiturprüfung schreibt. Nehmen wir mal die bayerischen Wirte: Das ganze Jahr über rechnen sie mit größter Inbrunst Schweinsbraten, Zanderfilets, Biere, Weine und Obstler zusammen, um das Ergebnis stolz ihren Gästen zu präsentieren. Wenn es aber darum geht, die genauen Arbeitsstunden ihrer Mitarbeiter zusammenzuzählen, wegen des neuen Mindestlohns, dann beißt es plötzlich aus. Dann ist das Jammern und Wehklagen wegen der saudummen Rechnerei groß. Die Volksfestwirte und ihre Bedienungen haben bei der Staatsregierung immerhin schon erreicht, dass sie nicht so genau mitzählen müssen, wie lang gearbeitet wird. "Es langt", sagt Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU) sinngemäß, "wenn ihr hinten und vorn irgendwas abzieht. Na passt's scho."

Die partielle Rechenschwäche der Bayern ist bekannt, da muss man nicht auf das uralte Beispiel mit der Landesbank zurückgreifen, die sich in Österreich mal sauber verrechnet hat. Man kann auch an die Autobahnmaut denken. Die sollen zwar alle zahlen, bei deutschen Staatsbürgern kommt unter dem Strich aber trotzdem eine Null heraus. Ein mathematisches Wunder? Dass Staatsangehörigkeit mitzählt, ist in der Welt der Zahlen sonst nicht der Brauch. Oder das Betreuungsgeld: wird gezahlt, damit sich angeblich der Staat etwas spart. Neuerdings finden Verfassungsrichter, für diese Summen sei der Bund gar nicht zuständig. Der Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Max Straubinger, ist nun sauer: Wenn er die Herdprämie nicht behalten darf, sagt er, dann streicht er auch die Bundeszuschüsse für Kitas. Eigentlich aber nennt man das nicht Rechnen, sondern Rache.

Ein anderes bayerisches Mathe-Phänomen ist die Wahlarithmetik. Die hat bisher gut funktioniert, man kann sich, trotz seltener Ausnahmen, auf sie verlassen. Ihre wichtigste Regel lautet: Man kann es drehen und wenden, wie man will, Fehler abziehen und dazurechnen, Schätzwerte einbeziehen oder auch nicht - am Ende hat die CSU doch wieder die absolute Mehrheit. Viel mehr, liebe Kinder, muss man in Bayern eigentlich auch nicht wissen von der Mathematik. In diesem Sinne: Viel Glück am Freitag!