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Unter Bayern:Vom Bleiben und vom Gehen

In einigen Parteien im Freistaat herrscht eine besondere öffentliche Solidarität der Männer mit den Frauen - jeweils sehr typisch

Glosse von Franz Kotteder

Dieser Tage will in Amerika ein Mann unbedingt bleiben, der nach dem Willen der Wähler gehen soll. Nicht untypisch für alte weiße Männer, oder? Tatsächlich sind Frauen ganz anders. Natascha Kohnen, Chefin der Bayern-SPD, hat zum Beispiel verkündet, sie wolle nicht mehr zur Wiederwahl antreten und ihren Platz für Jüngere freimachen. Das erstaunt, weil sie doch deutlich jünger ist als ein durchschnittliches bayerisches SPD-Mitglied und die nächste Vorsitzendenwahl erst im März ansteht. Auffallend ist auch, dass die männlichen Platzhirsche in ihrer Partei diesmal rein gar nichts an ihr auszusetzen haben. Nicht mal der Bundestagsabgeordnete Florian Post, von dem man immer den Eindruck hat, er würde Kohnen schon widersprechen, noch bevor er weiß, was sie sagt.

Das ist aber auch eine Besonderheit dieser Partei - die tiefe, öffentliche Solidarität der Männer mit den Frauen. Ob das bei anderen Parteien besser ist? Katharina Schulze, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, haut bekanntermaßen ja öfters mal was raus, wozu man sich eine kritische Anmerkung durchaus vorstellen könnte. Gerade kursierte ein Videoschnipsel, in dem sie beim Thema islamistischer Terror herzhaft lachen muss. Es wurde nach dem Anschlag in Wien von interessierter Seite wieder ausgegraben. Bei den Grünen hieß es: "War aus dem Zusammenhang gerissen", und damit war die Sache erledigt. Dabei hätte man schon fragen können, in welchem Zusammenhang Terror eigentlich so lustig ist, dass man dabei laut lachen muss. Aber das hat, zumindest öffentlich, niemand getan. Wäre in der SPD sicher anders gewesen.

Ähnlich zugewandt geht man in der CSU mit Frauen um. Etwa mit Gesundheitsministerin Melanie Huml und den 900 irgendwo verschlampten, positiven Corona-Tests und der halben Million gehamsterter Grippe-Impfdosen. "Die Melanie", sagt Ministerpräsident Söder, könne da nix dafür, auch wenn sie alles etwas früher gewusst hat, als sie es dann zugab. Sie darf bleiben, gehen muss in der CSU selbst für sehr viel gröbere Schnitzer niemand mehr. Wahrscheinlich brachte die Melanie ihre Kritiker mit einer ganz einfachen Frage sofort zum Schweigen: "Ja - und was ist mit dem Scheuer Andi?!"

© SZ vom 21.11.2020
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